(pcp-wm) Die „Väter der Philatelie“ – Mit diesem Titel wurden bei Einführung der „Roll of Distinguished Philatelists“ 42 namhafte und weltweit bekannte Philatelisten geehrt, die vor 1920 gelebt hatten und deren Verdienste mit der Eintragung ihrs Namens auf der ersten Seite der „Roll“ rechts und links anerkannt wurden. Unter den 42 Namen sind 27 aus großbritannien, sieben aus Frankreich, drei aus den USA. Es folgen mit jeweils einem Namen Russland, Spanien, Australien, Argentinien und Belgien.

Und Deutschland? Deutschland ist nur „indirekt“ mit einem Namen, nämlich bei dem von Philipp von Ferrari unter dessen Mehrfachnationalitäten vertreten. Dies mag verwundern, denn Deutschland und Österreich hatten mit Alfred Moschkau, Sigmund Friedl, Victor Suppantschitsch u.a. auch hervorragende Philatelisten hervorgebracht, die durchaus einer Würdigung wert gewesen wären. Aber die Zeit nach Ende des Ersten Weltkrieges war nicht danach, ehemaligen Feinden nun auch noch einen Kranz zu flechten.

Das Verdienst von Brian Birch ist es, auf rund 300 Seiten ausführliche Biografien zu jedem der aufgeführten „Väter der Philatelie“ zu präsentieren, Biografien, die man in dieser Akkuratesse und mit üppiger Bebilderung (häufig mit bislang nicht bekannten Fotos) bislang nicht kannte. Zu jeder Biografie weist Birch seine Quellen nach, die er zur jeweiligen Darstellung genutzt und ausgewertet hat, was im Vergleich zu früheren Darstellungen, ähnlicher, wenn auch nicht so umfangreicher Art, bereits ein großer Fortschritt ist. Der Blick auf diese Quellen macht allerdings auch deutlich, dass er vorwiegend sog. Sekundärquellen, also Berichte aus philatelistischen Zeitschriften, zuweilen auch Internetquellen, genutzt hat. Wie fragwürdig und fehlerbehaftet diese nicht selten sein können, hat der Autor Wolfgang Maassen in seinen Büchern zu Philipp von Ferrari bereits vor zwei Jahren nachgewiesen. Fairerweise muss man allerdings auch konzedieren, dass eine Primärquellen basierte Forschung hier weitere Jahre der Arbeit benötigt hätte.

Diese Einschränkung ist mit zu bedenken, wenn man dieses in englischer Sprache verfasste und von der Royal Philatelic Society London herausgegebene Werk liest. Ungeachtet dessen bietet es derart viel an neuer Information, dass sich ein aufmerksames Studium des Buches mehr als lohnt, so dass es trotz diesem Vorbehalt nur empfohlen werden kann. Der Preis des Buches beträgt 65 £ zuzüglich Porto (siehe hierzu: http://www.rpsl.org.uk/subscriber/Shop.aspx) – Dafür erhält man die normale Leinenausgabe (ca. DIN A4, mit goldener Titel- und Buchrückenprägung, Schutzumschlag). Das Buch wurde auch in einer auf 15 Exemplare limitierten bibliophilen Ausgabe mit Ledereinband (Preis: 150 £) angeboten, die allerdings nicht mehr erhältlich ist.