Fürst Albert II. (rechts) folgt interessiert den Erläuterungen von Sammlern an ihrem Exponat. Foto: Wolfgang Maassen

(wm-AIJP/pcp) Eigentlich war alles wie früher, auch wenn Corona dieses Mal eine drei- statt zweijährliche Pause erzwungen hatte. Die Sonne schien und bei milden Temperaturen eröffnete Fürst Albert II. am 24. November 2022 im Beisein hochrangiger Gäste der Politik und Philatelie die Gesamtveranstaltung und widmete sich weit mehr als eine Stunde der Besichtigung der 100 Weltraritäten und ‚iconic items‘, die im Musée des Timbres et des Monnaies sowie mit Sonderausstellungen zu „The Postal History of Napoleon’s Grand Armée“ und Indien im Top Car Museum ansprechend untergebracht waren. Bei seinem üblichen Rundgang durch die Händler- und Posthalle im direkt benachbarten Espace Léo Ferré begrüßte Albert II. so manchen namhaften Berufsphilatelisten, die er aus früheren Jahren schon kannte.

Nicht zur Eröffnung der MonacoPhil geplant, aber spontan: Eine Protestaktion von Frauen gegen das Iran-Regime und für die Freiheit. Foto: Wolfgang Maassen

Der Auftakttag war wie früher gut besucht, die beiden nachfolgenden Tage dann doch sichtbar schwächer. Dafür tanzte „der Kongress“, also die noblen Vertreter der internationalen Philatelie aller Kontinente, auch solche von Verbänden und Vereinen, bei den abendlichen Diners. Bereits das sog. Gala-Diner im Hôtel de Paris wurde von Fürst Albert II. und über 360 Gästen besucht! Noch mehr waren wohl beim Cocktail-Empfang des Internetportalbetreibers Sebastien Delcampe zu verzeichnen.

Interessant waren verschiedene Rahmenveranstaltungen. So zuerst die Edition d’Or-Buchpräsentationen des Global Philatelic Networks der Auktionshäuser Heinrich Köhler und Corinphila, die dieses Mal gleich vier eigene neue Buchproduktionen präsentierten, außerdem ein von ihnen gefördertes neues Buch von Hervé Barbelin zu Oscar Berger-Levrault, das gleichzeitig in zwei Übersetzungen in deutscher sowie englischer Sprache erstmals vorgestellt wurde. Der C.G.-Award 2022-Wettbewerb rundete das literarische Programm am gleichen Eröffnungstag ab.

Charles Epting, USA (rechts) moderierte eine interessante Diskussion mit bekannten Gästen zur Zukunft der Philatelie. Foto: Claudia Maassen

Am Freitag, den 25. November 2022, stand der Kongress des Weltverbandes der Philatelie-Journalisten und -Autoren an, bei dem der komplette bisherige Vorstand unter der Leitung von Präsident Wolfgang Maassen einstimmig für weitere vier Jahre in seinem Amt bestätigt wurde. Für die AIJP vermeldete Maassen allerdings auch gute Zahlen: nicht nur konstante Mitgliederzahlen, sondern auch eine Finanzlage, die sich sehen lassen konnte. An den Kongress schloss sich eine Panel Discussion unter Leitung des Amerikaners Charles Epting an, der seine Interviewpartner Bill Hedley (FEPA-Präsident), den Philatelisten Adriano Bergamini aus Lugano/Schweiz, Dieter Michelson als Vertreter des Handels und der Auktionen sowie Rüdiger Weng und Wolfgang Maassen aus Deutschland zum Thema „Philately – forever in the Shadows“ interviewte. In der Bewertung der generellen Lage waren sich alle einig, aber auch darin, dass es vermehrter Anstrengungen und neuer Ideen brauche, um die Philatelie aus ihrem Schattendasein wieder ans Licht zu holen. Verstärktes Marketing (so Weng) und neue gesellschaftliche Kooperationen zu zeitnahen Themen (so Maassen) waren nur einige der in der abwechslungsreichen und von Epting hervorragend moderierten Diskussion zu Wort kamen.

Die Mitgliederversammlung der Europäischen Akademie der Philatelie am Samstag, den 26. November, weitere Präsentationen und ein Abschluss-Dinner beendeten das Programm. Mit Spannung war das Mitgliedertreffen des ausrichtenden Club de Monte-Carlo erwartet worden, dem derzeit rund 110 Mitglieder (einschließlich sog. assoziierter Mitglieder) angehören. Denn es war bereits im Vorfeld bekannt geworden, dass die seit 25 Jahren benutzten Hallen und Räumlichkeiten auf den Terrasses de Fontvieille in Kürze einem Neubau weichen müssen, so dass es galt, einen neuen Standort zu finden. Der Club verabschiedete seinen langjährigen Präsidenten und noblen Sponsor Patrick Maselis aus Belgien und wählte nahezu einstimmig Olivier D. Stocker, CEO des weltweit bekannten Auktionshauses Spink & Son, zu dessen Nachfolger. Beide konnten bereits am 27. November bekannt geben, dass der Club de Monte-Carlo neue, ebenfalls gut geeignete Räumlichkeiten in bester Lage im Zentrum von Monte-Carlo, nur ca. eine Gehminute vom Hôtel Hermitage entfernt, gefunden habe, so dass auch künftig die bekannten Internationalen MonacoPhil-Ausstellungen zweijährlich, nunmehr auch zusammen am gleichen Ort, durchzuführen sind. Bleibt nur zu sagen: Noblesse oblige – oder besser: Tradition verpflichtet!