(pcp-wm) Die Autoren betonen zwar in ihrem Vorwort, dass ihr 444-Seiten-Werk sicherlich nicht erschöpfend sei und alle denkbaren Aspekte behandelt, aber als Leser gewinnt man schnell den Eindruck, dass dies eher ein freundliches Understatement ist. Denn in 18 Kapiteln mit zahlreichen Unterkapiteln behandeln sie in diesem zweisprachigen Buch (Englisch / Chinesisch)nicht nur Land und Leute, sondern bieten auch reichlich illustrierte Einblicke in die Postgeschichte des Landes. Diese begann mit königlicher Kurierpost, mit Trans-Himalaja-Post nach Nepal und Indien, enthält aber auch frühe Spuren der nepalesischen, britischen und chinesischen Feldpost. Die Kaiserlich-Chinesische Post wird in mehreren Verlaufsphasen umfangreich beschrieben, es folgen Exkurse zu Tibets Lokalausgaben, natürlich dann auch zu den Kapiteln der jüngeren Postgeschichte, die durch die Volksrepublik China geschrieben wurden. So entsteht ein Kompendium, in der in lesenswerter Form die Geschichte, natürlich auch die Postgeschichte und Philatelie des Landes Tibet in einer Weise verwoben wird, dass sich ein bislang so nicht gekanntes ganzheitliches Bild ergibt.

Zahlreiche Karten ergänzen das Informationsangebot und machen Lage und Position der Orte der jeweiligen Handlung erst nachvollziehbar, denn dem westlichen Leser dürften viele davon eher wenig bekannt sein. Beeindruckend ist die Fülle der Abbildungen, zu denen nicht nur zahllose Briefe, Ganzsachen und Dokumente, selbst Fotos von Postämtern etc. zählen, sondern auch die nennenswerte Zahl reproduzierter Stempel, die in Verwendung waren. Briefmarkenausgaben werden in größter Ausführlich behandelt: mit existenten Probedrucken, Marken und Druckbogen bis hin zu Plattenrekonstruktionen. Auf vorkommende Fälschungen und deren Erkennungsmerkmale wird jeweils gesondert hingewiesen. Postalische Routen und Tarife werden für diverse Perioden aufgeführt, wiederum mit den dazu bekannten Stempeln. Selbst die Luftpost sowie Bhutan und andere speziellen Aspekte werden nicht ausgeklammert.

Dieses Buch war sicherlich gleich in mehrfacher Hinsicht – nicht nur politisch – kein einfaches Werk. Aber es ist den Autoren zu danken, dass sie eine großartige Publikation geschaffen haben, das den Namen „Standardwerk“ völlig zu Recht verdient. Die Produktion dieses in China gedruckten und von der Royal Philatelic Society London 2019 herausgegebenen aufwändigen Werkes (Format DIN A4, 444 Seiten, in Farbe, allseitig Goldschnitt, Leinen-Hardcover mit Titelprägung und Schutzumschlag) dürfte nicht billig gewesen sein. Soweit bekannt, verfügt die Royal Philatelic Society London noch über eine Anzahl des Buches. Nähere Informationen sind per E-Mail an secretary@rpsl.org.uk erhältlich.