(wm-AIJP/pcp) Für jeden Sammler der Kantonalmarken ist das schwergewichtige edle Werk von P. Mirabaud und A. de Reuterskjöld („Les Timbres-Poste Suisses 1843–1862“) eine Ikone. 1899 in drei Sprachfassungen erschienen (franz.: 200 Ex.; deutsch + englisch: jeweils 150 Exemplare) bot es zu seiner Zeit mit den farbigen Abbildungstafeln der Kantonalmarken eine bis dahin nicht bekannte Druckqualität, die die Autoren ein Vermögen gekostet hatte. Einzelexemplare dieser Buchseltenheit kommen bei Versteigerungen von Zeit zu Zeit zum Ausruf und je nach Einband und Erhaltung sind dann Preise zwischen 1.000 bis 1.500 Euro / CHF fällig. Auch Corinphila offerierte am 3. Juni 2022 bei der Versteigerung von „Schweiz/Sammlungen/Lots“ etc. ein Exemplar. Allerdings ein höchst ungewöhnliches, denn schon in der Beschreibung von Los 8739 hieß es dazu:

„Mirabaud, P. & de Reuterskjöld, A 1899; Les Timbres-Poste Suisses 1843-1862; Exemplar Nr. 46 (von 200), tadellose Erhaltung, im Halbledereinband mit Golddruck auf dem Buchrücken, Goldschnitt oben. Dazu ein separat gebundener Band, ebenfalls mit Goldschnitt oben, mit insgesamt 62 Probedrucken in schwarz / weiss, die grösstenteils nicht im verausgabten Buch veröffentlicht wurden, dabei versch. Druckstufen zu den versch. Ausgaben mit zahlreichen Details wie Rahmen, einzelne Ornamente, Schweizer Kreuz (spätere Rotdrucke, teils im Negativ) zu den späteren Abbildungen im Mirabaud. Ein ausserordentlich seltenes Angebot, bis dato das einzig bekannte Exemplar.“

Die Monografie war wunderschön in Halbleder gebunden, exzellent erhalten, ebenso in gleicher Ausführung dieses bislang völlig unbekannte und nie gesehene ‚Supplement‘ dieses zusätzlichen Bildtafelteils. Dennoch wurde der Ausruf auch dieses Mal bei maßvollen 1.000 CHF belassen, wobei zu erwarten war, dass es nicht dabeibleiben würde. Dass der Zuschlag allerdings bei kaum glaublichen 6.000 CHF erst erfolgte, war dann doch für alle Betrachter eine Überraschung. Eine Weltrekordmarke der Schweizer philatelistischen Literatur! Man sollte auch nicht vergessen, dass zu dem Zuschlag jeweils 22% Aufgeld, Nebenkosten sowie – je nach Land – auch kräftiges Paketporto + Zoll anfallen, so dass der Liebhaber vielleicht mit mehr als 7.500 Euro dabei ist. Es sind dem Berichterstatter nicht viele Titel bekannt, die bislang in diesen Höhen vorgedrungen sind.

Auf kleinerem Niveau galt dies auch für ein anderes Los, Los 8741, dessen Beschreibung lautete: „1925/26: Auktionskataloge Luder-Edelmann & Co.. zur I. bis V. Versteigerung, komplett mit Text- und Bildteil, in sehr guter Erhaltung.“

Solche Kataloge waren zuletzt in Deutschland bei der IPHLA-Literaturauktion des Hauses Heinrich Köhler 2012 in Mainz angeboten worden. Bei damaligen Ausrufpreisen von 150–200 Euro je Katalog fanden bei weitem nicht alle einen Interessenten, denn den meisten schien dies für einzelne Auktionskataloge zu teuer, auch wenn diese alles andere als häufig sind. Dieses Mal war es anders. Der Set der fünf Kataloge kletterte auf einen Zuschlag von 1.800 CHF, inkl. Aufgeld etc. war dies mehr als 2.000 Euro! Im Klartext: Jeder einzelne Katalog wurde also mit ca. 400 Euro bezahlt. Man muss wohl lange suchen, bis man in der philatelistischen Literatur einzelne Auktionskataloge findet, die diesen Höhenflug erreicht jemals haben.