(pf/pcp) Das lombardische Geschlecht Thurn und Taxis begründete das europäische Postwesen und organisierte bis zur Verstaatlichung durch Preußen 1867 postalische Dienstleistungen in vielfältiger Form. Bereits 1490 erhielten die Brüder Janetto und Francesco die Tasso von Kaiser Maximilian I. den Auftrag, ein funktionierendes grenzübergreifendes Nachrichtensystem einzurichten. Die Linie von Innsbruck nach Brüssel wurde später durch zahlreiche weitere Verbindungen ergänzt. Gestützt auf ein kaiserliches Postregal nahm im Jahre 1597 die Kaiserliche Reichspost ihren Betrieb auf. Sie beendete ihre Tätigkeit im Jahre 1805 im Zusammenhang mit der Gründung des Rheinbundes.

Nach der Gründung des deutschen Bundes 1816 betrieb Thurn und Taxis die Post in Hessen (inclusive der freien Reichsstadt Frankfurt a.M.), Thüringen, Württemberg (ab 1819) und Hohenzollern und Lippe. Die vielen Kleinstaaten verfügten nicht über die logistischen und finanziellen Mittel zum Aufbau eines eigenen Postnetzes. Taxis-Postanstalten bestanden auch in den Hansestädten und im schweizerischen Kanton Schaffhausen.

Die postgeschichtlichen und philatelistischen Taxisbelege bilden ein großartiges und überaus beliebtes Sammelgebiet. Die Beschäftigung mit der Vorphilatelie ab 1490 ist ebenso anspruchs- wie reizvoll. Die ersten deutschen Reichspoststempel kennen wir ab 1717, später wurden sie in großer Vielfalt hergestellt. Zahllose Stempel erschienen ab 1784 als Folge eines Erlasses, den Abgangsort auf den Briefen bei der Aufgabe handschriftlich oder mit einem Stempel zu kennzeichnen.

Ein besonders schönes Sammelgebiet bilden die Postformulare mit Einlieferungsscheinen, den sehr seltenen Estaffetten- und Stundenpässen und vielen anderen gedruckten oder handschriftlichen Bescheinigungen.

Die philatelistische Zeit ermöglicht neben dem Zusammentragen der Freimarken auch das Sammeln der Nummern- und äußerst vielfältigen und formschönen Ortsstempel. So sind die bei den Württembergsammlern so beliebten Steigbügelstempel eine Erfindung der Taxis-post. Auch nachverwendet auf den Ausgaben von Preußen, dem Norddeutschen Postbezirk und dem Deutschen Reich sind die dekorativen Taxisstempel eine Augenweide.

Soweit das Vorwort zu diesem Sonderkatalog eines besonders umfangreichen und wertvollen Angebotes an Taxismarken und Belegen, verfasst von Peter Feuser. Speziell erwähnenswert ist außerdem eine Ausstellungssammlung von Sachsen-Meiningen, die mit hohem Aufwand über Jahrzehnte zusammengestellt wurde und nun ebenso aufgelöst wird wie eine Sammlung der ersten Ausgabe mit Stempeln von Rheinhessen und die Aufteilung einer guten Nummernstempelsammlung. Abgerundet wird dieser Katalog durch eine ganze Reihe interessanter Frankaturen und Belege anderer Einlieferer und ein umfangreiches Angebot an seltenen Einlieferungsscheinen und anderen Postformularen der Kaiserlichen Reichspost. Kontakt: feuser-auktionen@t-online.de, Homepage: www.feuser-auktionen.de