(ho/wm) Wie spannend Auktionen sein können, verdeutlicht Hinrich Osterloh, Chef des Aachener Auktionshauses AIXPHILA in einem persönlichen Nachbericht zur 64. Auktion, bei der am Freitag, den 24. Mai 2019 mit Los 399 Bundesrepublik Deutschland ein Posthornsatz Mi.-Nr. 123/38 in kompletten ungefalteten Bögen für 40.000 Euro ausgerufen wurde. Wohl kaum einer dürfte sich gedacht haben, dass dieses Los für den günstigen Ausrufpreis zu haben war. Was dann aber in Aachen passierte, war mehr als eine Überraschung. Osterloh hielt es in einer kleinen Chronologie für sich fest:

21 Bieter beteiligen sich an der Versteigerung, die pünktlich um 13.30 Uhr startet. Neun schriftliche Interessenten verabschieden sich sogleich, da der Auktionator mit 69.000 Euro beginnt.
Die Veranstalter haben ihre Töchter aufgeboten, um die Telefonbieter kontaktieren zu können, die beiden Kommissionäre hängen ebenfalls an ihren Handys. Drei Saalbieter sind bei 100.000 Euro noch mit von der Partie, aber bei jeder Steigerungsstufe streicht einer die Segel.

… 120.000 Euro sind erreicht, zwei Telefonbieter sind noch im Rennen, jetzt entsteht eine Situation, die jeder Versteigerer liebt: Ein Sammler aus Baden-Württemberg sucht diese Serie als Bogen schon seit Jahrzehnten und will sich diese Gelegenheit auf gar keinen Fall entgehen lassen. Auf der anderen Seite ein ebenfalls wild entschlossener Sammler und Anleger aus dem Ausland, der sich von einem branchenbekannten Händler und dieser wiederum von einem der beiden Kommissionäre vertreten lässt. So fechten die beiden einen einsamen Kampf aus, der die Gebotssumme immer weiter klettern lässt … 150.000 … 200.000 Euro. Einer der beiden überlegt etwas länger, bei dem anderen kommt jedes Mal ein kurzes wie aus der Pistole geschossenes ‚ja!‘.

Dann eine kurze Unterbrechung: Eine Telefonleitung ist unterbrochen … nach einer Minute geht es weiter … bis 220.000 Euro. Der Gegenbieter gibt auf … der Hammer fällt … Applaus im Saal …und von da an jede Menge Gesprächsstoff!

Die Spannung steigt: Auktionator Hinrich Osterloh mit seinen Telefonbieter-Assistentinnen! Foto: Wilhelm van Loo

Ja, so spannend können Live-Auktionen sein und – wie man an diesem Beispiel sehen kann – zuweilen auch völlig unerwartete Ergebnisse bringen. Bleibt nur anzumerken, dass natürlich auch andere Marken bei dieser AIXPHILA-Auktion Liebhaber fanden. Zum Beispiel: Deutsches Reich Nr. 278 Y gestempelt (Ausruf 1.500 Euro, Zuschlag 2.200 Euro), Nothilfeblock gestempelt (Ausruf 2.500 Euro, Zuschlag 3.000 Euro), Luxemburg 1927 Ministerbuch (Ausruf 1.000 Euro, Zuschlag 3.800 Euro), Polen Nr. 1 ungebraucht (Ausruf 1.000 Euro, Zuschlag 2.800 Euro), die gleiche Marke auf Brief (Ausruf 500 Euro, Zuschlag 2.900 Euro), VR China Schauspielsatz ungezähnt (Ausruf 2.000 Euro, Zuschlag 9.000 Euro), Sammlung Deutsches Reich (Ausruf 2.500 Euro, Zuschlag 8.200 Euro), Bogenposten China (Ausruf 500 Euro, Zuschlag 8.600 Euro) und … und … und.

Titelfoto (oben): 220.000 Euro Zuschlag – das ist eine Hausnummer! Foto: Wilhelm van Loo