(wm) Am 12./13. April gab es bei der jüngst stattgefundenen Hamburger Auktion einen Zuschlag, der in die Geschichte eingehen wird. Bekanntlich sind alte Alben häufig zwar schön, in der Regel aber meist abgenutzt, mit Mängeln am Einband, nicht selten stockfleckig oder gar nur noch mit vielen Ausschnitten der Marken vorhanden. Also II. Wahl. Bereits seit einigen Jahren ist allerdings ein Trend zu beobachten, der alten Alben aus dem 19. Jahrhundert zu Höhenflügen verholfen hat. Zumindest dann, wenn solche noch ansprechend oder gar einwandfrei, selbst kaum benutzt, erhalten geblieben sind. Denn dies ist die rare Ausnahme, wie bereits 2012 bei der Köhler-Literatur-Auktion in Mainz ein einmaliges (ein zweites ist nämlich nicht bekannt) Luxusalbum der 20. Schaubek-Auflage der Gebr. Senf aus dem Jahr 1878 bewies: Unter der Los-Nummer 9017 wurde diese sog. „Brilliantausgabe“ in Mainz für erstaunliche 7.000 Euro damals ausgerufen und von einem Liebhaber auf 13.000 Euro hochgesteigert. Inklusive Aufgeld war es ihm also rund 15.000 Euro wert.

 

Auction Galleries Hamburg konnte nun ein von der Erhaltung her vergleichbares Exemplar eines zweibändigen Albums aus dem Jahr 1900 anbieten. Der Losbeschreiber vermerkte zu dem Los 7023: ”‘Schaubeks illustriertes Briefmarkenalbum‘ in zwei Bänden 1840–1900, Einband grün mit aufwändiger Gestaltung und Golddruck, Goldschnittseiten und voll intakten Schließen. Beide Bände in überdurchschnittlicher Erhaltung, Rücken völlig unbeschädigt, Einbände praktisch unberieben und Seiten extrem frisch – in dieser Erhaltung hat das auch der Beschreiber noch nicht zu Gesicht bekommen! Ach ja, Marken und Ganzsachenausschnitte sind auch enthalten… (K)“

 

Der Ausruf war mit 1.500 Euro angesetzt, was zweifelsohne bereits ungewöhnlich war. Denn Alben aus dieser späteren Zeit sind grundsätzlich nicht selten, allerdings in dieser taufrischen Erhaltung doch die Ausnahme. Das schien erneut Liebhaber zu motivieren, dafür noch deutlich mehr Geld in die Hand zu nehmen, denn der Zuschlag fiel erst bei 5.400 Euro, was inklusive Aufgeld auch rund 6.500 Euro bedeuten dürfte.

Die Lehr aus der G‘schicht: Alte schöne Alben übersehen, sollt‘ man nicht! Lange Jahre sind sie nie beachtet worden, erst die Belebung des Interesses an der Geschichte der Philatelie, ihrer Macher und Produkte, hat eine Renaissance bewirkt. Wobei solche Stücke, wie bei der Hamburger Auktion angeboten, die seltene Ausnahme sind und wohl auch bleiben werden.
Anlage: Einige Abbildungen des Albums, ex Auctions Galleries, Hamburg