(jh/pcp-wm) Es ist Zeit für neue Impulse in der postgeschichtlichen Forschung. Der Blick auf die letzten 50 Jahre zeigt eine starke Dynamik mit Wegmarken von der Katalogisierung der Stempel, der Entdeckung des Briefes und seiner postalischen Komplexität, der Analyse von Briefen auf der Grundlage von Postverträgen bis zur Beschreibung der Gebühren und Postvermerke. Auf diesem Stand war lange kein Fortschritt in Sicht. Die Digitalisierung von Bildern und verbesserte Datenbankprogramme schufen eine völlig neue Situation, die half, große Korrespondenzen in den Archiven zu erschließen. Daraus entwickelten sich spezielle Datenbankformate und die Technik der Korrespondenzanalyse. Gleichzeitig veränderte sich die Archivarbeit entscheidend. Musste früher mühsam per Hand abgeschrieben oder kostspielig fotokopiert werden, können jetzt auch umfangreiche Akten in kurzer Zeit digitalisiert werden. Von diesen zwei Seiten bekam die Forschung enormen Auftrieb. Statt zufällig vorliegenden Briefen stehen nun hunderte, ja tausende zur Verfügung, die ein weites Feld analytischer Fragestellungen initiieren und zusammen mit neu erschlossenen Archivalien zu tragfähigen Ergebnissen führen. Und das Wechselspiel zwischen beiden Bereichen eröffnet der Forschung noch nie dagewesene Möglichkeiten. Nun ist es aber nicht so, dass alle zur Beschreibung einer postgeschichtlichen Situation notwendigen Faktoren immer gleich aussagekräftig vorliegen. In manchen Fällen sind die archivalischen Quellen ergiebig, dagegen fehlen einschlägige Briefe oder umgekehrt.

Zehn spannende Beiträge beleuchten einerseits einen wesentlichen Zeitraum der europäischen Geschichte aus postgeschichtlicher Sicht, spiegeln aber auf der anderen Seite auch diese unterschiedlichen Quellensituationen wider und suchen nach geeigneten Fragestellungen und Ergebnissen. Themen der Beiträge: England – Österreich, Leitwege der Briefpost 1814–1818; Metternichs System der Postüberwachung; Briefzensur während der Herrschaft der 100 Tage; Der Postkurs von Salzburg nach Triest 1787; Der Postvertrag Preußen – Reichspost 1803; Auslage von Duderstadt; Umleitung England nach Frankreich 1779 bis 1783; Umleitung der Briefe nach Sardinien 1821 bis 1824; Aus der Türkey; Kuvertgeld.

Daten: Erschienen in der MICHEl-Reihe „mehrWissen“, Format 17 x 24 cm, 192 Seiten, in Farbe, Hardcover, Verkaufspreis: 39,80 Euro. ISBN 978-3-95402-309-7. Im Fach- und Buchhandel erhältlich.