(sl/pcp) Zum 20. Mal lud die Landesvereinigung der Briefmarkenhändler Mittel-Ost-Deutschland (MOD) Ende August zum traditionellen Seminarwochenende ein. Der Veranstaltungsort Zwickau sollte sich als Volltreffer erweisen. Kulturelle Höhepunkte, Sehenswürdigkeiten und eine überaus leckere Gastronomie sind in der wunderbar sanierten und renovierten Altstadt fußläufig erreichbar. Das Seminarhotel FIRST inn Hotel Zwickau überzeugte durch komfortable Gästezimmer sowie einen modernen und zweckmäßigen Tagungsbereich – und dies alles zu vernünftigen Preisen. Das Jubiläumswochenende wurde von den Kollegen Steffen Müller und Roberto Mensinger aus Chemnitz bestens vorbereitet und organisiert. Hierfür war ihnen der Dank aller Teilnehmer gewiss. Bedingt durch die aktuelle Corona-Situation hatten einige „Stammgäste“ diesmal auf eine mehr oder weniger lange Reise in die viertgrößte Stadt Sachsens verzichtet. Dies tat aber der guten Stimmung und der Freude über eine rundum gelungene Veranstaltung unter den Anwesenden keinen Abbruch.

Den Auftakt bildete ein gemeinsames Abendessen im Hotelrestaurant „No. 9“. Das Restaurant überzeugte mit schmackhafter sächsischer Küche. Dass sich manch einer gerne einen Nachschlag gewünscht hätte, lag allerdings nicht nur an der hohen Qualität, sondern vor allem an der überschaubaren Menge der gereichten Speisen. Außerdem ahnte noch niemand, dass sich Kirschtomaten, die in verschiedensten Zubereitungsformen als dekoratives Element zu allen Vorspeisen, Hauptgängen und Desserts gereicht wurden, noch zum roten Faden des Wochenendes entwickeln würden.

Die regionalen Bier- und Weinangebote wurden ebenfalls gerne angenommen und so entwickelte sich ein gemütlicher und geselliger Auftaktabend, bei dem schon mal das eine oder andere Wort des Fachsimpelns nicht ausblieb. Jedenfalls musste der harte Kern vom Servicepersonal Punkt Mitternacht zum Verlassen des Restaurants bewegt werden.
Nach einem ausgiebigen Frühstücksbuffet begrüßte der MOD-Vorsitzende Birko Karte die Anwesenden zu Beginn des Seminars am Samstagvormittag. Er übergab das Wort an Stefan Lutter, der in seiner Eigenschaft als Vizepräsident des APHV die herzlichen Grüße des Präsidenten Wolfgang Lang sowie des Geschäftsführers Thomas Brückel überbrachte.
Stefan Lutter informierte die MOD-Mitglieder über aktuelle Entwicklungen und Neuigkeiten aus dem Bundesverband. So ging er ausführlich auf den Sachstand zum Thema „Ausgabe von Briefmarken mit Matrixcode“ durch die Deutsche Post ein. Hierbei steht für die Deutsche Post die Notwendigkeit einer effektiven Entgeltsicherung im Vordergrund. Der APHV vertritt in dieser Sache die Belange der Philatelie und des Briefmarkenfachhandels, um mögliche schädliche Begleiterscheinungen wie etwa ein ungültig erklären von postfrischen Marken ohne Matrixcode zu verhindern. Auch zur „Philatelia München“ und den Möglichkeiten zur Durchführung der im Juni 2020 ausgefallenen Jahreshauptversammlung des APHV brachte Stefan Lutter die Anwesenden auf den aktuellen Stand.

Peter Dextor referierte über das Sammelgebiete Deutsch-Neuguinea.

An dieses Grußwort schloss sich der Vortrag von Peter Dextor vom Briefmarkenhaus Dresden an. Dextor referierte über das Sammelgebiet Deutsch-Neuguinea, bei dem sich sein umfangreiches Wissen nicht nur auf Marken, Stempelungen und Belege bezog. Er vermittelte auch sehr anschaulich viel Interessantes über die Geschichte, Land und Leute der ehemaligen Kolonie, die von 1884 bis 1914 deutsches Schutzgebiet war.
Für das leibliche Wohl der Zuhörer war bestens gesorgt, stellte doch das Tagungshotel neben den Getränken und den obligatorischen Kuchenecken auch einen Imbiss in Form von Tomate-Mozzarella-Spießen, kunstvoll kreiert aus halbierten Kirschtomaten sowie Tomatensalat im Glas, zubereitet aus geviertelten Kirschtomaten bereit.
Nach einer ausgiebigen Mittagseinkehr in Wenzels Prager Bierstuben galt die Aufmerksamkeit der Händlerinnen und Händler dem Leben und Wirken Robert und Clara Schumanns. Dazu diente eine Führung durch das Robert-Schumann-Haus, welches an der Stelle des Geburtshauses Schumanns im Herzen der Altstadt eingerichtet wurde.
Dieser schloss sich ein geführter Rundgang durch den Dom St. Marien an, einer der bedeutendsten Kirchen der obersächsischen Spätgotik. In die Zeit seines Umbaus von 1453 bis 1565 fiel die Reformation. Da sich Zwickau neben Wittenberg sehr früh den Gedanken der Reformatoren anschloss, wurde der katholisch begonnene Kirchenumbau reformatorisch abgeschlossen. Der leidenschaftlich engagierte Kirchenführer zog die philatelistische Touristengruppe fast zwei Stunden in seinen Bann.

Der spätmittelalterliche Dom St. Marien beeindruckte, auch dank eines exzellenten Führers.

Wieder zurück im Hotel wurde die im März 2020 abgesagte Mitgliederversammlung der Landesvereinigung nachgeholt. Diese verlief erwartungsgemäß harmonisch und führte zu einer einstimmigen Entlastung des Vorstandes. Sehr erfreulich war die Entscheidung der Versammlung, die Tradition des Seminarwochenendes trotz zunehmend rückläufiger Teilnehmerzahlen fortzuführen. Eckardt Fritz, Geschäftsführer des Schaubek-Verlags, erklärte sich bereit, das 21. Seminar des MOD für das Wochenende vom 27. bis 29. August 2021 in Leipzig vorzubereiten.
Der Samstag endete mit einem gemeinsamen Abendessen im Bürgerzimmer des Brauhauses Zwickau sowie dem einen oder anderen Absacker auf dem Freisitz vor dem Hotel.

Eine Legende lebt weiter – im Museum!

Bei einer anschaulichen Führung durch das August-Horch-Museum, das ein den originalen Räumen und Werkstätten der ehemaligen Automobilfabrik August Horch in Zwickau eingerichtet ist, kamen am Sonntagvormittag nicht nur Automobilliebhaber auf ihre Kosten. Der weite Bogen der Fahrzeugfabrikation in Zwickau spannte sich vom Bau der ersten Automobile in der Fabrik des August Horch über den markenrechtlichen Disput, der zur Gründung der Marke Audi führte, den Zusammenschluss zur Auto-Union, den Automobilbau im Sachsenring-Werk zur DDR-Zeit bis zum heutigen VW-Produktionsstandort.
Das Wochenende fand seinen Abschluss mit einem Mittagessen im Restaurant August Horch, bevor sich die Teilnehmer auf den Heimweg machten.