Viele ältere Philatelisten werden sich an den Namen Siegfried Buback noch gut erinnern. Geboren am 3. Januar 1920 in Wilsdruff, studierte dieser Jura in Leipzig (1941 erste Staatsprüfung), legte 1950 erfolgreich die 2. Staatsprüfung ab, nachdem er 1947 aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehren und das Studium wieder aufnehmen konnte. 1950 wurde er Assessor in Niedersachsen, 1953 Staatsanwalt, 1959 Erster Staatsanwalt, 1963 Oberstaatsanwalt bei der Bundesanwaltschaft und 1971 Bundesanwalt in der Abtl. Landesverrat. Er wurde am 31. Mai 1974 zum Generalbundesanwalt bestellt, eine Aufgabe, die er bis zu seiner Ermordung durch Mitglieder der Roten-Armee-Fraktion wahrnahm. Buback starb am 7. April 1977 in Karlsruhe.

All dies ist bekannt. Weniger aber, dass Buback auch ein leidenschaftlicher Sammler und Philatelist war. Vor Jahrzehnten teilte er einmal mit, dass Island sein Spezialgebiet sei, nicht aber, dass er auch eine große und umfangreiche Deutschland-Generalsammlung pflegte. Eben diese Kollektion kommt bei der 203. Rauhut & Kruschel-Auktion Mitte März mit Los 5536 zum Ausruf und wird im Katalog wie folgt beschrieben:

„Deutschland, hochwertig besetzte Generalsammlung des von der RAF ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback (1920-1977), ab Deutschem Reich bis Ende der 1970er Jahre (sowie einige vom Sohn noch weitergeführte Sammlungsteile), dabei Weimar und III. Reich postfrisch u. gestempelt, bis auf den gest. Nothilfe-Block, je kpl., sehr guter Teil Bes. II. Wk. mit vielen kpl. Gebieten wie Böhmen u. Mähren inkl. Theresienstadt Nr. 1U, GG mit Nr. I/III, Albanien, Kurland, Kotor, Laibach, Montenegro (mit Nr. 19!) und Serbien je kpl., Feldpost sehr gut mit u.a. Nr. 5/6, 6K, 6DD, 7A/B, 8B, 9, 10(4), 11A/B, 13 u. 16, Alliierte Besetzung mit sehr gutem Teil Lokalausgaben, SBZ in beiden Erhaltungen, ohne gest. Handstempel, je kpl., Bizone kpl., teils ebenfalls in beiden Erhaltungen, Franz. Zone in beiden Erhaltungen je kpl., mit Wohnungsbau Nr. 1, sowie Bund, Berlin und DDR je kpl., mit hochwertigem Teil Zusammendrucke, auch gute FDCs, vieles von Prüfern vergangener Generationen geprüft (20.000,-)“

Die Sammlung beinhaltet auch zahlreiche Briefe, die Bubacks Leben und Erleben ab dem 1940er Jahren bis zu seinem Tode widerspiegeln, also authentisches Material einer gesellschaftlich weithin bekannten Persönlichkeit. Buback stand zu Lebzeiten auch mit anderen namhaften Philatelisten im Kontakt, so z.B. mit Dr. Arno Debo (1921–2000), ebenfalls ein bekannter Jurist (Direktor des Europäischen Patentamtes) und langjähriger Präsident des Bundes Philatelistischer Prüfer (Prüfer u.a. für Island). Ihm schrieb Buback noch kurz vor seinem Tod: „Als leidgeprüfter Briefmarkensammler habe ich gelegentlich erwogen, die kriminalistisch oder aus anderen Gründen rechtlich interessante Seite der Philatelie durch einige Beiträge zur Fachliteratur aufzuhellen. Aber bei meiner allgemein bekannten Überbelastung mußte es beim guten Vorsatz bleiben .“ (philatelie, Nr. 117/1977, S. 23)
Der feige Mord bereitete am 7. April 1977 all diesen guten Vorsätzen ein Ende.