(wm-pcp) Insider und Kenner bezeichnen eine Versteigerung, bei der fast alle oder gar alle angebotenen Lose verkauft werden, als einen „white glove sale“ Der Begriff rührt von den weißen Handschuhen her, die Angestellte eines Auktionshauses häufig tragen, wenn sie kostbare Artefakte diverser Art dem staunenden Publikum herzeigen und sie anschließend mit leeren Händen und ihren weißen Handschuhen dastehen, weil alles verkauft wurde. Solche „white glove sales“ sind zuweilen bei Sotheby’s oder Christie’s zu finden, auch bei deutschen Kunst-Auktionshäusern sind sie nicht unbekannt, z.B. beim Haus Lempertz.

Bei deutschen Philatelie-Versteigerungen sind sie allerdings die eher rare Ausnahme. Eine solche Ausnahme von der Regel war erneut die 4. TROST-Auktion, die das Kölner Auktionshaus Dr. Wilhelm Derichs am 30. April 2022 in Stuttgart durchführte. Denn Inhaber Roland Meiners konnte einmal mehr mit einer 100prozentigen Verkaufsquote aufwarten, was auch bei den ersten drei Versteigerungen der einmaligen Kollektion Württemberg schon der Fall gewesen war. Diese Rekordmarke ist nahezu Guiness-Buch-verdächtig! Insgesamt bisher 1.443 Lose und kein einziges Rücklos!

Anders als bei so manch amerikanischer Firma waren nicht nur Schätzpreise, sondern fixe Ausrufpreise angesetzt. Aber diese wurden häufig weit übertroffen, das Gesamtergebnis im Vergleich zum Ausruf mehr als verdoppelt. Roland Meiners berichtete im Rückblick auf diesen Erfolg:

„Am 30. April war die Stimmung im Auktionssaal bestens. Die für uns zur lästigen Gewohnheit gewordenen Corona-Maßnahmen sind inzwischen weitgehend abgeschafft und die Atmosphäre während der Auktion war so wie früher. In der Mittagspause waren alle unsere Gäste im Hotelrestaurant zum Essen eingeladen und am Nachmittag gab es noch einmal eine Dessertpause. Wir hatten bei dieser Auktion eine um etwa 10% niedrigere Anzahl von Losen, sodaß die Auktion zwischen 18 und 19 Uhr beendet war.
Entsprechend der geringeren Losanzahl war auch die Anzahl der Bieter etwas geringer als bei den vergangenen Auktionen. Damit ist nicht der Saal gemeint, sondern die Gesamtzahl der Bieter, die sich schriftlich, telefonisch, über Kommissionäre oder live im Internet an der Auktion beteiligten. Dagegen war die Anzahl der erfolgreichen Bieter höher als bei den bisherigen TROST-Auktionen, da sich die Lose besser verteilt haben, weil es nicht ganz so dominante Käufer wie bei den vergangenen Auktionen gab. So konnten wir eine größere Anzahl von Bietern glücklich machen, die ihre Lose wie eine Trophäe mit nach Hause nahmen.“

Vier weitere TROST-Auktionen werden noch folgen. Die fünfte ist bereits für den 22. Oktober 2022 terminiert. Dieses Mal wird sie allerdings – abweichend von den bisherigen – nicht in Stuttgart, sondern in Köln stattfinden, da das bisherige Hotel in Stuttgart renoviert wird.