(wm) Der Briefmarkensammlerverein in Verona führt seit langer Zeit die VERONAFIL, eine jährlich stattfindende Sammlermesse, im Messezentrum der Stadt durch. In früheren Jahren dominierte die Philatelie mit mehreren hundert Ständen diese Messe. Über 300 waren es in diesem Jahr vom 23. bis 25. November 2018 immer noch, allerdings nahm der philatelistische Anteil der Händlerstände nur einen kleineren Bereich von rund 80 Ständen ein. Weit mehr gab es im numismatischen Teil der Messe und den Rest füllten Händler, die rund um alles Sammelbare ihre Offerten feilboten. Von deutschen Firmen waren besonders die namhaften Zubehörverleger wie Leuchtturm, Lindner und SAFE vertreten, um nur einige zu nennen.

Philatelistischer Kern der Messe war die ITALIA 2018, die neben einer Ausstellung zum 100jährigen Ende des Ersten Weltkrieges auch die 4. Internationale Philatelistische Literatur-Ausstellung präsentierte (nach einer Ausstellung in Brüssel 1935, der Milanofil 1984 und der IPHLA 2012 in Mainz). Während die Briefmarken-Ausstellung nur geringen Besucherzuspruch verzeichnete, war dies bei der Literaturausstellung anders: Rund 400 Besucher fanden bereits an den ersten beiden Tagen den Weg zum ausgesprochen großzügig angelegten Leserraum, in dem alle Print-Exponate einzusehen waren. Die Aufsicht wurde durch Rainer von Scharpen, dem Generalsekretär der AIJP, gewährleistet. Knapp 300 digitale oder Printexponate waren für diese Ausstellung gemeldet worden. Der Jury gehörten unter der Leitung von Dr. Giancarlo Morolli (Italien) weitere acht versierte Experten aus verschiedenen Ländern Europas an. Das Ergebnis war sehenswert und bestätigte die Stärke mehrerer Länder Europas, die im Bereich der philatelistischen Literatur mit führend sind: Über 100 Exponate wurden mit Gold oder Großgold-Rängen ausgezeichnet!
Bruno Crevato-Selvaggi, Publizist und Literaturexperte aus Venedig, hatte die Ausstellung im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten optimal organisiert. Dass diese eine Innovation war, zeigte besonders eine Jugend-Webseite („Stamp Active“), die aus Großbritannien angemeldet worden war. Sie erreichte – erstmalig für ein digitales Exponat! – ebenfalls 95 Punkte und wurde in ihrer Klasse als bestes Exponat mit Großgold ausgezeichnet. Der Grand Prix der Literaturausstellung ging ebenfalls nach England. Dieses Mal an die Royal Philatelic Society in London für das Buch des Autors Brian Trotter über „Southern African mails / Routes, rates and regulations 1806–1916“, dem 96 Punkte zugesprochen wurden. Für den Londoner Verein und den Autor nahm Christopher Harman den Preis, eine Murano-Glasfigur, in Empfang. Die Beteiligung deutscher Autoren, Verlage und Vereine an dieser Ausstellung war überschaubar, was an der wenige Wochen zuvor in Sindelfingen durchgeführten 2. Nationalen Literaturausstellung der Arbeitsgemeinschaften gelegen haben mag. Mit dabei waren die Auktionshäuser Corinphila, Ulrich Felzmann, Heinrich Köhler sowie der Schwaneberger Verlag, der mit dem Deutschland-Spezialkatalog einmal mehr eine Goldmedaille erreichte.

Foto: Jurypräsident Giancarlo Morolli bei der Übergabe des Grand Prix der Literaturausstellung an Christopher Harman aus England. (Vorlage: Wolfgang Maassen)