Er wird der deutschen Philatelie fehlen: Peter Feuser (1953–2026)

(Wolfgang Maassen / pcp ) Jeder, der die Nachricht Ende Juni vernahm, war berührt und mochte es kaum fassen. Denn der umtriebige, zuweilen vor Temperament überschäumende, sympathische, manchmal auch durchaus launische oder gar schnippische Querdenker legte sich mit so manchem in der Philateliebranche an und ging einer Auseinandersetzung selbst nie aus dem Weg, wenn er diese für notwendig hielt. Geschätzt und bewundert wurde aber auch seine fachliche und verlegerische Kompetenz, die er in der Vorbereitung und Durchführung seiner Versteigerungen in Stuttgart unter Beweis stellte. Viele seiner „special sales“ sind in perfekt gemachten Auktionskatalogen dokumentiert, zuletzt die beiden Sammlungen von Alban Kempf (175 Jahre Briefmarken in Baden) und die von Hans-Otto Streuber (Die Bayerische Rheinpfalz), die beide am 30. Mai bei der 108. Auktion in Stuttgart unter den Hammer kamen. Seine Verdienste in der deutschen Philatelie lassen einen biografischen Rückblick geboten erscheinen.

Zur Welt kam Feuser am 9. August 1953 in Eisenschmitt an der Salm im Landkreis Bernkastel-Wittlich. Das kleine Eifeldorf zählt selbst heute kaum mehr als 300 Einwohner. Von 1964–1971 besuchte er das Altsprachliche Regino-Gymnasium in Prüm/Eifel, das er mit der Mittleren Reife abschloss. Danach absolvierte er eine Buchhändlerlehre, sattelte dann aber um und wurde Briefmarken-Kaufmann. Es folgten Lehrjahre bei den Auktionsfirmen Steltzer in Frankfurt am Main und Loth in Mainz und die dort gesammelten Erfahrungen veranlassten ihn – zusammen mit Joachim Erhardt – 1979 ein eigenes Auktionshaus in Stuttgart zu gründen. Am 16. Juni 1979 wurden sie Mitglied im Bundesverband Deutscher Briefmarken-Versteigerer und führten bis zum 14. Juni 1986 ihre Firma gemeinsam als Partner. Erst dann trennten sie sich und gingen eigene Wege: Erhardt mit seinem Württembergischen Auktionshaus für Postwertzeichen (WAP), Feuser mit seiner Firma unter eigenem Namen, der er im Juli 1995 den Namen „Südphila-Auktionen“ spendierte, den er von Reinhold Lindner erworben hatte.

Bis zu seinem Tod führte Feuser 108 Versteigerungen durch, darunter zahlreiche „name sales“, die in die deutsche Auktionsgeschichte eingingen. Zunächst bekannt wurde er auch wegen seiner verlegerischen Tätigkeit. An einige Titel sei gerne noch einmal erinnert: Nachverwendete Altdeutschland-Stempel (1. Auflage 1983, 2. Auflage 1995); Deutsche Vorphilatelie (1988, zusammen mit Werner Münzberg, 2. Auflage 2000); Die Nummernstempel der altdeutschen Staaten (1. Auflage 1992). Feuser machte sich aber auch einen Namen durch qualitativ gut ausgeführte Reprints zahlreicher vergriffener Werke (u.a. Krötzsch- und Ohrt-Handbuch, Lindenberg: Die Briefumschläge der deutschen Staaten) sowie durch seine verlegerische Tätigkeit für namhafte andere Autoren.

Sein Standardwerk „Deutsche Vorphilatelie“ wurde bei der Internationalen Literatur-Ausstellung IPHLA 1989 in Frankfurt am Main mit Gold ausgezeichnet und im gleichen Jahr mit dem Sieger-Preis für philatelistische Literatur. Der Briefmarkenclub Hannover zeichnete Feuser ebenfalls zweimal mit seinem Literaturpreis aus. Später war er dessen Ehrenmitglied, auch das des DASV, gab aber 2015 seine Ehrenmitgliedschaft an den DASV zurück, da er sich mit der neuen stärker international und zeitlich jüngeren Ausrichtung des Deutschen Altbriefsammler-Vereins nicht einverstanden erklären wollte. Er blieb aber Mitglied im Verein, und war dies auch beim Berliner Philatelisten-Klub von 1888 e.V., dem er seit dem 7. November 1983 angehörte.

Unvergessen sind seine öffentlichkeitswirksamen Aktionen über mögliche schädliche Folgen moderner PVC-Blattschutzhüllen für bestimmte besonders bis zu den 1960er-Jahren herausgegebene Briefmarken (Verfärbungen etc.), mit denen er bereits 2002/2003 landesweit bekannt wurde und die ab 2008 erneute Präsenz in zahlreichen Medien fanden. Seit Herbst 2014 engagierte er sich mit zahllosen Einträgen hierzu in zahlreichen Internet-Foren. Er warf den Zubehörverlagen vor und legte sich dabei mit den Verbänden APHV und BDPh an, dass sie die wahren Fakten nicht anerkennen wollten und nicht bereit seien, die breite Sammler-Öffentlichkeit über die Gefahren zu informieren. Zuletzt setzte er sich noch kritisch mit dem BPP resp. BPP-Prüfern zur Frage der Nachstempelungen von 70 Kreuzer-Marken Baden Württembergs auseinander.

Peter Feuser wurde am Montag, den 29. Juni 2026 tot in seiner Wohnung aufgefunden. Er wird der Philatelie fehlen. Möge er in Frieden ruhen und die Erde ihm leicht sein.