(wm/pcp) Einer der frühesten bekannt gewordenen Fälle geistigen Diebstahles betraf ein Album, das Louis Senf 1876 in Leipzig unter dem Titel „Deutsches Briefmarken-Album verlegte. Es war in fünf verschiedenen Ausführungen vorgesehen, für die damals „Dr.“ Alfred Moschkau verantwortlich zeichnete. Das Album sollte 80 Länderwappen enthalten, von denen Moschkau aber einfach ihm fehlende Abbildungen aus Alwin Zschiesches zuvor erschienenen Albums übernommen hatte. Zschiesche zeigte daraufhin Moschkau und Senf wegen Plagiats an, und das Prozess-Resultat war niederschmetternd: Die Alben wurden beschlagnahmt und vorhandene Vorräte eingestampft. Kosten: 10.000 Mark. Dies berichtete Louis Senf selbst 1910 in einem Rückblick, der in der „Berliner Briefmarken-Zeitschrift“ auf den Seiten 215–217 erschien. Es mag für ihn auch der Grund gewesen sein, dass Louis Senf bei weiteren Albenausgaben in den Folgejahren erst einmal auf Illustrationen verzichtete.

Die „Story“ selbst konnte man bereits 2010 in dem Buch von Wolfgang Maaßen („Von ersten Alben und Katalogen zu Verlagen von Weltrang“, S. 31) nachlesen. Unbeachtet bisher war eine Notiz, die Hans-Peter Garcarek ausgrub und die am 10. April 1877 von Louis Senf unterzeichnet worden war, nachfolgend dann im „Börsenblatt für den deutschen Buchhandel und die mit ihm verwandten Geschäftszweige“ am 2. Mai 1877 auf S. 1636 veröffentlicht wurde. Sie bestätigt genau diesen Sachverhalt, auch dass sämtliche Exemplare des „Deutschen Briefmarken-Albums“ dem königlichen Handelsgericht zum Einstampfen überlassen wurden! Damit dürfte, sofern noch ein Exemplar dieses Albums existiert, dies wohl das seltenste aller deutschen Alben sein, – nämlich ein nie erschienenes!

Moschkau – er wurde am 24. Januar 1848, also 2023 vor 175 Jahren geboren – gilt bis heute einerseits als „schillernde“ Figur, aber wohl auch zu Recht als Pionier der deutschen Philatelie, dem es zu verdanken ist, die deutsche Philatelie bis weit über die Grenzen des Landes als Sammler, Journalist und Heimatkundler bekannt gemacht zu haben. Vom 29. September bis 1. Oktober 2023 wird der Deutsche Philatelistentag des Bundes Deutscher Philatelisten in Bautzen an ihn erinnern, bei dem u.a. eine museale Sammlung von Wolfgang Maassen zu Leben und Wirken zu Alfred Moschkau in 15 Rahmen ausgestellt wird, die bisher vollständig noch nie zu sehen war. Zudem wird am Samstag, den 30. September eine voraussichtlich kostenlose Busfahrt von Bautzen nach Oybin (über Herrenhuth) stattfinden.