(wm) Bei Büchern, die bei einer großen Ausstellung gezeigt werden, erwartet man, dass Bezugsangaben zu Preis und Bezugsadresse erhältlich sind, damit ein interessierter Leser diese auch baldmöglichst erwerben kann. Aber bei Briefmarkenexponaten, die bei einer Ausstellung gezeigt werden, dürfte dies eher ungewöhnlich sein. Dabei ist durchaus bekannt, dass interessierte Auktionatoren und Händler sich solche Exponate auch unter dem Gesichtspunkt eines möglichen Verkaufes ansehen, deren Besitzer persönlich ansprechen und dabei nicht selten auf Erweiterungsmöglichkeiten (bei denen sie natürlich behilflich sein können), aber auch auf Verkaufschancen ansprechen. Zumal dann, wenn solch ein Exponat bereits „höchste Weihen“ (Großgold oder gar noch mehr) erhalten hat. Insofern ist das Sehen und Gesehen werden eines Exponates weder aus Besitzer- noch aus Betrachtersicht nie interessenlos. Bei anderen Hobby- und Leistungsbereichen ist es nicht anders.

In Gouda gab es bei der Nationalen Ausstellung Mitte April 2019 allerdings einen besonderen Fall, den der Berichterstatter in dieser Form noch nicht erlebt hatte. Der Sammler Gerard van Welie zeigte in einer Sonderschau sein Exponat „1852 – Die ersten Postwertzeichen der Niederlande“. Die von Ausstellern bereit gestellten Exponate in dieser Sonderschau blieben ohne Bewertung, was üblich ist. Unüblich war aber, dass das niederländische Auktionshaus Corinphila Amstelveen sich einen cleveren Marketingschritt überlegt hatte, denn diese van-Welie-Sammlung wird am 14. September 2019 – also erst in einem halben Jahr – durch dieses Haus versteigert: Corinphila hatte bereits den Katalog (Sonderband in Hardcover-Ausführung, 63 Seiten, in Farbe) für diese Versteigerung gedruckt und dieser lag auch neben dem Exponat aus. Der Besitzer der Kollektion erläuterte auf Anfrage Sammlern seine Schätze und wies auf einzelne Raritäten und Besonderheiten hin, die man dann auch zu Hause bereits jetzt im Katalog näher studieren konnte. Für potentielle Interessenten war dies sicherlich eine Bereicherung, für das Auktionshaus eine gelungene Aktion, auf diesen Sammlungsverkauf im Herbst 2019 bereits jetzt aufmerksam zu machen.

Foto: Gerard van Welie (rechts) erläutert dem Luxemburger Philatelisten Yves Vertommen seine Sammlung. (Vorlage: Wolfgang Maassen)