(Aachen/pcp) Nachdem Teil I der Sammlung Deutsche Auslandspostämter und Kolonien Ende Juni eine Fülle von tollen Ergebnissen erzielte und den Gesamtausruf bei einer fast 100 %gen Verkaufsquote mehr als verdoppeln konnte, steigt nun wieder die Spannung, wenn am 6. Oktober die zweite Hälfte in einer Sonderauktion unter den Hammer kommt. Hier liegt nun der Schwerpunkt bei den eigentlichen Kolonialausgaben und dort besonders bei den Vorläufern mit einer großen Stempelvielfalt in überdurchschnittlich guter Erhaltung. Ähnlich wie beim 1. Teil hatte der Sammler darüber hinaus einen Narren an Provisorien mit allen möglichen Halbierungen und besonders an den Aufdruckausgaben aus der Zeit der britischen Besetzung gefressen.

Mehrere hundert Besonderheiten dieser Epoche mit Raritäten, welche teils in nur ganz wenigen Stückzahlen existieren und die schon große Sammlungen geschmückt haben, dürften – vor allem bei den wiederum sehr zurückhaltend angesetzten Ausrufpreisen – überhaupt keine Probleme haben, neue Besitzer zu finden.

Zwei Probeausgaben eröffnen die Versteigerung: Los 1 zeigt die Serie Krone Adler in waagerechten Paaren je mit Aufdruck „Deutsch-Neuguinea“ auf der linken und „Deutsch Südwestafrika“ auf der rechten Marke, Ausruf 2.500 Euro; die nicht verausgabte 2 Pf. Kaiserjacht wird in je 2 senkrechten Paaren „Deutsch-Südwestafrika“ und „Karolinen“ bzw. „Samoa“ und „Kamerun“ als Los 2 mit 3.000 Euro ins Rennen geschickt.

Anschließend geht es mit Deutsch-Neuguinea weiter, wo ein waagerechtes Paar der Nr. 37d mit 1.000 Euro an den Start geht (Los 4). Bei der britischen Besetzung beginnt der Aufdruckwert 5 s auf 5 M und der Besonderheit „großes s“ mit 2.500 Euro (Los 85), die beiden doppelten Aufdruckprovisorien 1 auf 2 d auf 10 Pf bzw. auf 20 Pf, beide aus der Sammlung Lord Bute, fangen bei je 2.500 Euro an (Los 133+134). Alle Einschreibezettel mit G.R.I.-Aufdrucken sind natürlich ebenfalls mit von der Partie auch der aus Deulon!

Los 283 Deutsch-Ostafrika, eine der seltensten Typen der Ausgabe Kaiserjacht, die 3 Rupien, Mi.-Nr. 39 IIAIIb in perfekt postfrischer Erhaltung, sollte wenigstens die veranschlagten 1.300 Euro einbringen, der äußerst rare Germania-Wert zu 50 Pf. mit Stempel KOROGWE aus der sogenannten Königsberg-Ausgabe in überdurchschnittlich guter Qualität wird sicherlich nicht für die veranschlagten 1.500 Euro zu haben sein, sind doch Marken dieser Ausgabe in der Regel umständebedingt mit Mängeln versehen (Los 292). Wiederum sehr reichhaltig vertreten sind auch hier die Ausgaben der britischen Besetzung (Mafia) mit u.a. zahlreichen Aufdruckbesonderheiten sowie handschriftlichen Vermerken des Colonel Mackay. Mit Los 330 kommt die bisher einzig bekannte gestempelte Marke 6 C auf 1 Rupie Kaiserjacht mit doppeltem Aufdruck (Mi. 18 DD) aus der Sammlung Lord Bute unter den Hammer, Startpreis 4.000 Euro.

Weiter geht´s mit Deutsch-Südwestafrika: Reichhaltig präsentieren sich die verschiedenen Vorläuferausgaben mit zumeist gestochen klaren Abstempelungen. Die seltene 25 Pf. Krone/Adler (Mi. Ib und 9 b) wird je als postfrisches Zwischenstegpaar mit 600 Euro angesetzt (Los 419 bzw. 429). Auf der Titelseite des reich bebilderten Auktionskataloges springt das sogenannte VALDIVIA-Provisorium aus Kamerun ins Auge. Auf einer Ansichtskarte, welche nach Deutschland adressiert und als Einschreiben verschickt wurde, war ein Porto von 30 Pf. vorgeschrieben, vorhanden waren aber nur noch Briefmarken zu 20 Pf; die deutschen (!) Behörden gestatteten es, die 20 Pf.-Marken diagonal zu halbieren und eine Hälfte der normalen Marke zu 20 Pf. beizukleben. Wer nun bei der vorliegenden Marke genau hinsieht, bemerkt nun, dass diese Marke aus zwei Hälften exakt zusammengesetzt und aufgeklebt wurde, so als ob der Postbeamte in seinem Übereifer alle vorliegenden Marken zerschnitten und dann bemerkt hätte „oh, jetzt habe ich keine vollständige Marke zu 20 Pf. mehr! Wenn ich zwei Hälften passgenau auf der Karte zusammenklebe, merkt das bestimmt keiner.“ Ein tolles zeithistorisch bemerkenswertes Dokument, welches unter der Los-Nr. 502 mit 5.000 Euro an den Start geht. Übrigens gibt es als nächste Nummer noch einen weiteren VALDIVIA-Beleg hier allerdings mit nur einer „normalen“ Halbierung, Startpreis 3.000 Euro. Markenmangel war bei verschiedenen Kolonialpostämtern nicht selten, gab es doch damals eine Portosenkung (!) für Sendungen nach Deutschland, die der Inlandspost gleichgestellt wurden.

Auf den Karolinen wurden Marken zu 10 Pf. mangels Marken zu 5 Pf. halbiert, oder Marken zu 3 Pf wurden wurden mit „5 Pf“ überdruckt, um auf Postkarten verwendet zu werden. In PONAPE gab es diese Marken, wobei es dem Postmeister – aus welchen Gründen auch immer – nicht immer gelungen ist, den Aufdruck vorschriftsgemäß anzubringen. Los 539, 540 und 541 zeigen Postkarten mit normalem, doppeltem und kopfstehendem Aufdruck (Ausruf 600, 1.000 und nochmals 1.000 Euro). Es gab auch wenige Tage, an denen gar keine Marken zur Verfügung standen, also schrieb der Postchef mit der Hand einfach „5 Pf.“ auf die Postkarte und setzte den Poststempel darüber. Eine solche „Barfrankierung“ geht bei AIX-PHILA unter Los-Nr. 549 mit 2.500 Euro in die Auktion.

Auch auf den Marschall-Inseln wurde aus dem Markenmangel eine Tugend gemacht: Eine halbierte Marke zu 10 Pf. langte für eine eher unscheinbare Drucksachenschleife von JALUIT nach Deutschland, Startpreis jetzt 5.000 Euro (Los 596); mit je 4.000 Euro werden zwei eingeschriebene Ansichtskarten sehr moderat ausgerufen, die mit halbierten Marken zu 50 Pf. (rechte und linke Hälfte) frankiert und auf denen die Einschreibenummern handschriftlich eingetragen wurden (Lose 610 + 611). Eine postfrische Aufdruckserie Krone/Adler für den Weltpostverein in Bern geht als Los-Nr. 597 mit 1.000 Euro ins Rennen, und natürlich glänzen auch hier wieder die zahlreichen Aufdruckwerte aus der britischen Besatzungszeit.

Nicht anders ist es bei Samoa, wo neben der kompletten Aufdruckserie aus der englischen Okkupation wieder etliche Aufdruckabarten auf der Liste stehen. Ein Leinenbriefstück aus der Vorläuferzeit mit 3 Exemplaren der einzeln schon sehr raren 2 Mark mittelrosalila (Los-Nr. 666) wird wohl kaum bei den angesetzten 3.000 Euro stehen bleiben. Große Raritäten auch bei den Aufdruckmarken der britischen und französischen Besetzung in Togo: Los 766, Kaiserjacht 2 Mark mit teilweisem Doppelaufdruck beginnt mit moderaten 3.000 Euro, Los 785 ebenfalls Kaiserjacht 10 Pf. ohne Wasserzeichen (!), eine Marke, von der keine Handvoll mehr existieren dürfte, wird die angesetzten 2.000 Euro sicher schnell pulverisieren so wie zahlreiche andere Marken dieses beliebten Sammelgebietes, welche oft jahrelang kaum einmal angeboten wurden.