(as/pcp) „Klassische Schönheiten haben – Gott sei Dank – keine Katalogwerte, den Preis bestimmen ich und mein Gegenbieter.“ Dieses Zitat von Baron Carl von Scharfenberg wurde vom 24. bis 28. September 2019 während der traditionellen Heinrich Köhler Herbstauktion einige Male bestätigt. Das facettenreiche Angebot hochwertiger Philatelie und Postgeschichte von Deutschland bis Übersee war heiß begehrt und bestätigte den positiven Trend, dass außergewöhnliche Stücke außergewöhnliche Preise erzielen. Das Programm umfasste fünf Sonderkataloge sowie einen beeindruckenden Hauptkatalog mit spannenden Sonderteilen, welche die Vielfalt der philatelistischen Sammelgebiete in all ihrer Pracht dokumentierten. Bemerkenswert war erneut das hohe Bieterinteresse: Vom Auktionssaal bis zum Internet lieferten sich alle Beteiligten spannende Wettkämpfe um die wertvollen Briefmarken, Briefe und Sammlungen, die vielfach zu Spitzenpreisen verkauft werden konnten.

Kleine und große Seltenheiten von Bayern bis Dänisch-Westindien

Der Verkauf der einmaligen Sammlung „Königreich Sachsen“ (Teil II) von Christian und Renate Springer war – wie schon der erste Teil – ein echter Höhepunkt. Die große Bandbreite des gebotenen Materials überzeugte die Sammler auf ganzer Linie, wie sich auch in den zahlreichen Bietergefechten zeigte. Ein Ganzsachenumschlag 10 Ngr. mit Zusatzfrankatur 1 Ngr. nach Riga wurde für 22.000 Euro zugeschlagen (Los 8615 – Ausruf: 12.000 Euro), ein Brief nach Bayern mit zehn Exemplaren der 3 Pf. grün steigerte auf 18.000 Euro (Los 8545 – Ausruf: 5.000 Euro). Herausragend war auch der Zuschlag für ein wohl nur äußerst selten anzutreffendes Los, eine Nummernstempelsammlung von „1 bis 220“, die für 46.000 Euro zugeschlagen wurde (Los 8595 – Ausruf: 16.000 Euro).
Eine herausragende Bayern-Kollektion, ebenfalls in einem Sonderkatalog dokumentiert, war die Sammlung „Zugspitze“. Diese präsentierte die klassischen Ausgaben Bayerns, darunter begehrte Frankaturen, seltene Destinationen, hochwertige Einzelmarken und Einheiten. Auch hier war die Nachfrage gewaltig und zahlreiche Lose wurden um ein Vielfaches gesteigert. Bestes Beispiel mag ein Brief von Fürth nach Rotterdam sein, mit Umtausch-Segmentstempel und Mischfrankatur der 1 Kr., 6 Kr. Und 9 Kr. Von 1850/54 (Los 8211), der nach einem Ausruf von 2.000 Euro um das Zehnfache auf 20.000 Euro gesteigert wurde.

Auf die sprichwörtliche Spitze trieben es die Stücke aus der „Sammlung Baron Carl von Scharfenberg“, welche ausnahmslos als Gebotslose ausgerufen und in ungeahnte Sphären gesteigert wurden. Die Pretiosen boten ganz offensichtlich alles, was der Altdeutschland-Liebhaber begehrt und so kam es, wie viele es schon vorhergesehen hatten. Ein Briefpaar von Preußen nach Südaustralien aus dem Jahr 1855/56 wurde auf 17.000 Euro gesteigert (Los 2512), ein Ganzsachenumschlag mit Zusatzfrankatur aus Mecklenburg-Schwerin in den Kirchenstaat von 1856 wurde für 20.000 Euro verkauft (Los 2506) und ein weiterer Auslandsbrief aus Mecklenburg-Schwerin als Einschreiben nach Amsterdam fand für 10.000 Euro einen neuen Besitzer.

Großartig präsentierte sich auch die Kollektion „Germania – Die Sammlung Heinz Kipping“, welche sich mit dem Beititel „Die unendliche Geschichte“ schmückte. Das wahrlich faszinierende Material fand ebenfalls großen Anklang, wobei vor allem die seltenen Essais und Probedrucke für Aufsehen sorgten. Den Spitzenzuschlag sicherte sich ein Essai der Ausgabe Germania 10 Pfg. von 1902, eine „Zwischentype” mit Mittelstück der Reichspost-Ausgabe (Los 7047). Dieses einzig bekannte Exemplar wurde für sensationelle 22.000 Euro zugeschlagen (Ausruf: 10.000)!

Im Bereich der Internationalen Philatelie ragte vor allem der zweite Teil des Verkaufs der Dänisch-Westindien-Sammlung „Høgensborg“ heraus. Zahlreiche Lose glänzten mit Spitzenergebnissen und großartigen Steigerungen. So zum Beispiel ein Dreierstreifen der 3 C. mit original weißer Kopenhagener Gummierung aus Dänisch West Indien 1858 auf Brief nach Dänemark, der für 36.000 Euro Zuschlag verkauft wurde (Los 6040 – Ausruf: 10.000 Euro). Oder eine Kombinationsfrankatur der 3 c. aus dem Jahr 1856 mit einer US 10 c. auf Brief nach New York, die für 10.000 Euro in neue Hände ging (Los 6048 – Ausruf: 4.000 Euro).

Fazit

Zusammenfassend mag man sagen, dass die Nachfrage nach hochwertiger und seltener Philatelie in nahezu allen Bereichen und Sammelgebieten ungebrochen hoch ist. Die Bereitschaft der Bieter, egal ob im Saal, am Telefon oder Online, für ihre Lose aufs Ganze zu gehen, hängt natürlich auch zu einem entscheidenden Teil von der Gestaltung der Ausrufpreise ab. Das Auktionshaus Heinrich Köhler setzt bei der Preisgestaltung auf realistisch und moderat angesetzte Startpreise. Moderat angesetzte Startpreise führen dazu, dass ein ganz breites Interesse bei potentiellen Bietern erzeugt wird und die angebotenen Stücke dadurch häufig weit über den Erwartungen zugeschlagen werden! Dieser Spielraum zwischen Startpreis und kalkuliertem Bieterlimit wird von den Interessenten gut und gerne genutzt und – dies hat die Erfahrung gezeigt – der Wettbewerbscharakter kommt in der einmaligen Atmosphäre der Versteigerung optimal zum Tragen, wie die Zuschläge bestens belegen.

Alle Ergebnisse der Auktion sind im Internet unter www.heinrich-koehler.de einzusehen.