(Germering/pcp) Im Jahr 1857 erhielt der Münzgraveur Heinrich Friedrich Brehmer die Goldene Ehrenmedaille für Kunst und Wissenschaft. König Georg V. von Hannover verlieh sie ihm in Anerkennung seiner kunstvollen Portraits zweier Landesherren – Ernst August I. und Georg V. selbst. Das Portrait Georgs zierte Münzen und, ab Februar 1859, auch die Briefmarken Hannovers. Man darf also davon ausgehen, dass König Georg mit Brehmers Interpretation seines Profils höchst zufrieden war.

Und doch gibt es Postwertzeichenexemplare aus der Zeit um 1860, die ihm wahrscheinlich nicht gefallen hätten. Wer zeigt sich schon gerne mit zerkratztem Nacken und gespaltener Nase? Doch Brehmer ist nichts vorzuwerfen – das Unglück geschah beim Druck durch Beschädigung zweier Druckplatten. Im aktuell vorliegenden Band 1 des MICHEL-Deutschland-Spezial tragen die beiden neugelisteten Plattenfehler die bezeichnenden Namen „Kratzer am Nacken“ und „Geißennase“. Weitere 27 neue Plattenfehler runden den hannoverschen Fehler-Reigen ab. Die Inflationszeit des Deutschen Reiches und die Besetzungsausgaben für Zara schließen sich an mit 17 bzw. 21 Plattenfehlerneuaufnahmen. Die Ausgabe 2021 ist damit eine wahre Fundgrube für Sammler, die das Besondere suchen – ob in den genannten oder anderen klassischen deutschen Sammelgebieten.

So wurden die MICHEL-Nummern der Abarten, Aufdruck- und Plattenfehler des Sammelgebietes Danzig vereinheitlicht und erheblich ergänzt, die Besonderheiten Oberschlesiens systematisiert und die Aufdrucktypen des Sudetenlandes detailliert zum Schutze vor kursierenden Fälschungen. Erstmals aufgenommen wurden auch Hinweise auf gesuchte französische Befreiungsaufdrucke auf den Marken des Deutschen Reiches von privater Seite mit Beschreibungen und Abbildungen, die einen ungewohnten philatelistischen Einblick in die letzten Monate des Zweiten Weltkrieges geben.

Auch Briefe-Sammler finden reichlich Lektüre im MICHEL-Deutschland-Spezial 2021, wurden doch die Briefpreise an den neu erschienenen MICHEL-Briefe-Deutschland 2020/2021 angepasst mit auffälligen Preisbewegungen etwa in den Sammelgebieten Altdeutschland, Norddeutscher Postbezirk, Deutsches Reich/Brustschilde und in den Abstimmungsgebieten. So konnte auch das Stockach-Provisorium Baden 18 U auf Brief basierend auf einem aktuellen Auktionsergebnis neu bewertet werden – mit erstaunlichem Resultat.

Auf seine Art – in Zahlen, Fakten und Bildern – erzählt der MICHEL-Deutschland-Spezial spannende Geschichten, ob sie nun von Hannover, Danzig oder dem fernen Südwestafrika handeln.

Kurzinfo: 51. Auflage, 1.216 Seiten, ca. 6.100 Farbabbildungen und ca. 96.000 Preisnotierungen, Hardcover, VP: 92,00 Euro. ISBN 9-783-95402-368-4. Seit dem 16. April 2021 im Buch- und Fachhandel erhältlich.