NEU ERSCHIENEN: Hanspeter Frech: 1933 – 1945. Gebrauchte Ganzsachenkarten in ihren üblichen und ihren besonderen Verwendungen als Zeitzeugnisse der Vorgänge im NS-Deutschland.

(Rezension von Dr. Winfried Leist / pcp) Das ist meines Erachtens die wohl wichtigste Neuerscheinung zur Ganzsachenphilatelie der letzten Jahre, verfasst von dem schon vielfach prämierten Hanspeter Frech. In vorzüglichen Farbabbildungen werden sämtliche Postkartenausgaben der NS-Zeit in allen erdenklichen Verwendungsarten vorgestellt und postgeschichtlich interpretiert.

Zugrunde liegt die in 50 Jahren zusammengetragene Sammlung des Verfassers. Die zwei Bände sind die hoch willkommene Ergänzung zu dem unentbehrlichen „Ganzsachen-Handbuch des Dritten Reiches“ des gleichen Verfassers von 2014. Wurden dort nach Suchbegriffen geordnet und durch ein umfangreiche Register erschlossen Fragen der Ganzsachen-Postkarten-Philatelie von A (Abbildungen auf Postkarten) bis Z (zweckentfremdet als Paketaufkleber) alphabetisch abgehandelt und durch eine hilfreiche Auflistung der vorkommenden Gebühren und einen Katalogteil zum Anstreichen ergänzt, so sind es hier postalische Themen oder Verwendungsformen, zu denen Beispiele abgebildet und erklärt wegen.

Beispiel das Kapitel Gebührenrelevante Bestimmungen, dazu als Themen Grenzverkehr, Feldpost und Kriegsgefangenenpost, Postlagerung, Nachgebühren, Einschreiben und Nachnahme. – Oder Kapitel Postüberwachung und Postbehinderung, dazu als Themen Auslandsprüfstellen, Schalteraufgaben und Zensuren, Postsperren und Einstellung des Postverkehrs. Zu diesen vorgegebenen Themen zeigt und erklärt Frech Ganzsachen aus einer unglaublich vielseitigen Ganzsachensammlung, die er in 50 Jahren zusammengetragen, unzählige Male in Teilen erfolgreich ausgestellt oder als Grundlage für Veröffentlichungen benutzt hat. Jetzt hat er die Zwangsjacken von Ausstellungsreglements und den Ärger über schiefe Urteile von Juroren einmal hinter sich gelassen. Herausgekommen ist kein Lehrbuch, sondern ein Bilderbuch zum Anschauen und Lernen an Beispielen.

Indem Frech überwiegend amtliche und amtliche Sonderpostkarten zeigt und interpretiert, ist er wegweisend für die Art, wie künftig Philatelie in einer Zeit ohne herkömmlichen Postverkehr weiterleben kann. E-Mails kann man nicht sammeln, wohl aber die noch reichlich vorhandenen Briefe und Marken. Es wird ein anspruchsvolles und deshalb exklusives Sammeln sein, aber das erforderliche Wissen ist erwerbbar. Mineralogen, Sammler von Versteinerungen, Kunstgegenständen usw. mussten auch ihr Wissen erst erwerben. Wünschenswert wäre, wenn auch den Brieftexten mehr Aufmerksamkeit im Sinne der Social Phiately gewidmet würde.

Das Werk ist in einer sehr kleinen Auflage erschienen und eine an sich wünschenswerte größere Verbreitung nicht möglich. So wünsche ich ihm eine lernbereite intensive Leserschaft. Schön wäre es, wenn es nicht nur Ganzsachensammler in die Hände nähmen.

Kurzinfo: Hanspeter Frech: 1933 – 1945. Gebrauchte Ganzsachenkarten in ihren üblichen und ihren besonderen Verwendungen als Zeitzeugnisse der Vorgänge im NS-Deutschland. Postgeschichtlich ausgerichtete Ganzsachensammlung. 2 Bände. Hausach 2025. Zusammen 691 Seiten, Format DIN A4 (Ganzsachen-Exponate 7a, b). Preis: 88 Euro zzgl. Porto. Bezug vom Verfasser (Am Hinterhof 30, 77756 Hausach. E-Mail: hpfrech@web.de)