(pcp-wm) Vielen Philatelisten aus der ehemaligen DDR wird der Name Salier noch etwas sagen. Salier war zu seiner aktiven Zeit nicht nur ein begeisterter Philatelist und Aussteller, sondern gerade zur Wendezeit auch politisch aktiv. In Verbänden und Vereinen. Nur sein Verständnis von einem humanen Sozialismus war ein völlig anderes als das der damals herrschenden Staatsdoktrin. So war es unausweichlich, dass er schon viele Jahre vor dem Ende der DDR der Stasi auffiel, bespitzelt und überwacht wurde, als gefährliches Subjekt eingestuft wurde. Die Stasi beäugte argwöhnig seine internationalen Kontakte und Verbindungen, schnüffelte in seiner Post und hielt alles akribisch in Protokollen fest, die Salier nach der Wende in seiner voluminösen Stasi-Akte wiederfand. So mancher, dem er Vertrauen geschenkt hatte, entpuppte sich nun als jemand, dem er dies besser nicht entgegengebracht hätte.

Dieses Buch ist eine Abrechnung mit einem inhumanen System, das den Namen „Sozialismus“ aus seiner Sicht nicht verdient hat. Schonungslos redet er Klartext und benennt die Dinge beim Namen, zeigt auf, wie der selbsternannte deutsche Staat wirklich war. Klartext heißt für ihn: „Ideologien sind das Übel allen Menschseins, sie sind Krebsgeschwüre des Geistes.“ Mit markigen Worten kritisiert er aber auch die Verharmloser, die zwischen einem „Es war halt so“ und einem „Es war nicht alles schlecht“ schwanken. Deutlich hält er ihnen entgegen: „Nirgendwo hat HJS (so bezeichnet er sich in dem Buch selbst) mehr menschliche Kälte und Menschenfeindlichkeit erlebt als in der DDR.“

Das Buch ist eine Autobiografie. In mehreren Kapiteln schreibt er über seine Erlebnisse mit Philatelisten, über die gute Zusammenarbeit mit dem damaligen Vorsitzenden des Philatelieverbandes im Kulturbund der DDR, Peter Fischer, aber auch über die Besuche von Wolfgang Fendler, dem Geschäftsführer des BDPh, den er seit den 1970er-Jahren kannte. Er hält fest, wie er sich in diesem Staat Freiräume schaffte, in denen er andere Werte zu leben versuchte. Mehr und mehr gelang dies, als es auf die herbstliche „Kerzenlichtrevolution“ 1989 zuging, die ihn schließlich – so beschreibt es der Bucheinband – „als Mitglied des Bürgerkomitees zur Auflösung des Geheimdienstes mitten hinein in den Machtapparat führte), der sich als fähig zu allem und zu nichts entpuppte.“ Auf die Frage, warum er dieses Buch geschrieben hat, kennt er die Antwort, weil eben heute noch „geschichtsvergessene SED-Nachfolger den Schaden (relativieren), den das Regime an Leib, Leben und Seelen der Menschen angerichtet hat.“

Der ehemalige Lehrer, Lektor und Verlagsgründer fasziniert mit seiner Gedankenwelt und den später zu Papier gebrachten Erinnerungen. Das Buch ist im Salier-Verlag von seinem Sohn Bastian Salier (Bosestr. 5, 04109 Leipzig, tel. 0 34/341.306 75 60, E-Mail: info@salierverlag.de, www.salierverlag.de) erschienen und dort sowie im Buchhandel für 14,90 Euro erhältlich (ISBN 978-3-96285-023-4). Es ist jedem zu empfehlen, der abseits aller Schönfärbung und Schönrednerei heute Realitäten kennenlernen will, die Menschen damals erlebt haben.