NEU ERSCHIENEN: Dr. Hans-Joachim Soll: Die Postämter und Postagenturen in Deutsch-Ostafrika

(Rainer von Scharpen/pcp) Vor gerade einmal einem Jahr erschien aus der Feder von Dr. Hans-Joachim Soll ein viel beachtetes Werk zur Social Philately von Deutsch-Ostafrika. Unter Auswertung bislang ungenutzter Quellen aus Privatsammlungen analysiert er darin die koloniale Gesellschaft mittels philatelistischer und postgeschichtlicher Belege, die er kenntnisreich in die Sozial-, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte des betreffenden Zeitraums und der Region einbettet.
Nicht weniger beeindruckend ist seine soeben erschienene neue Publikation zu DOA. Was sich dem Titel nach wie ein Katalog der Posteinrichtungen in der ehemaligen deutschen Kolonie ankündigt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als ein umfassendes Kompendium zu allem, was mit dem dortigen Postwesen zu tun hat. Im Untertitel auf der Innenseite umreißt Soll sein Vorhaben genauer: Geschichte, Stempel, Laufzeiten, Leitwege und Postbeamte. In der Sprache der Wissenschaftler nennt er sein Buch einen Review, denn es bündelt „alle verfügbaren Informationen aus den älteren Werken“ – damit verweist er auf die Autoren Albert Friedemann und Heinrich Brönnle, Ernst Einfeld und Reinhold Siebentritt ebenso wie auf die Stempelkataloge der ARGE Kolonialpostwertzeichen – und verbindet sie mit den vielen neuen Erkenntnissen der letzten 10-20 Jahre.
Eine knappe Einleitung zur Vorgeschichte der Post in Ostafrika auf Sansibar leitet über zur eingehenden Vorstellung jedes einzelnen der in alphabetischer Reihenfolge aufgeführten 57 Postämter bzw. Postagenturen. Zu jedem „Porträt“ gehören Ausführungen zum historischen und geographischen Hintergrund einschließlich Landkarten, Anmerkungen zur Einrichtung des Büros und seinen Dienstleistungen, die verwendeten Stempel, Angaben zum Postaufkommen, die Vorstellung der ermittelten Postbeamten sowie Laufzeiten und Leitwege mit ihren Veränderungen im Kontext neu eröffneter Eisenbahn- und Schiffsverbindungen. Üppiges Bildmaterial in Form alter Postkarten und erlesener Postbelege, letztere getrennt nach Vorläufern, Friedens- und Kriegspost sowie Formularen wie beispielsweise Paketkarten, unterstützen das Gesamtbild. Alle Belege sind ausführlich kommentiert mit vielen Details zum post- und zeitgeschichtlichen wie auch zwischenmenschlichen Hintergrund. Die Liebe des Autors zur social philately lässt sich auch hier nicht verleugnen! Tarife werden nur gestreift; hier verweist der Verfasser auf die Bücher von Michael Jäsche-Lantelme. Ausdrücklich betont Soll, sein Buch könne “den Stempelkatalog der ARGE nicht ersetzten, sondern nur ergänzen“, weil u.a. keine Marktpreise für Abstempelungen aufgeführt werden. Um den Umfang seines Buches nicht zu sprengen, hat er die Bahn-, Schiffs-und Marineschiffpost bewusst ausgeklammert, ebenso wie die Postgeschichte der Nachkriegszeit, als noch viele Deutsche dort lebten und bis 1920 die britische Post nutzten. Die Auswertung ihrer zensierten Korrespondenzen empfiehlt er als Thema für die weitere Forschung.
Ein anderer Aspekt verdient Erwähnung: „Die Scans [der Belege] sollen … einen Eindruck davon vermitteln, was heute noch an sammelwürdigem Material vorhanden ist.“ Dafür haben engagierte Mitglieder der ArGe den Verfasser umfangreich mit Informationen und Ablichtungen unterstützt. Namentlich dankt er Harald Krieg, Frank Grieshaber und Markus Kreckel.
Dem Autor ist es zudem wichtig, „all jene zu würdigen, die mit unermüdlichem Eifer die deutsche Kolonialgeschichte erforschen und bewahren … [und] sich kritisch mit diesem Thema auseinandersetzen. Auch weil es sich um ein eher ungeliebtes Kapitel deutscher Geschichte handelt, ist es wichtig, dass es nicht in Vergessenheit gerät.“
Soll widmet sein Buch Heinrich Brönnle, einem der Pioniere der Kolonialphilatelie von Deutsch-Ostafrika, dessen Leben und Wirken er im Anhang ausführlich würdigt.
Inhalt, Layout, Aufmachung, die opulenten Fülle an Abbildungen und die hohe Bildqualität machen diesen als Sonderdruck der Arbeitsgemeinschaft der Sammler deutscher Kolonialpostwertzeichen e. V. herausgegebenen Band zu einer überzeugenden Werbung für das Sammelgebiet DOA im Speziellen und die Kolonialphilatelie im Allgemeinen. Das Buch dürfte auf Jahre hinaus eine maßgebliche Referenz zum Sammelgebiet sein – und das zu einem unschlagbaren Preis!

KURZDATEN: SOLL, Hans-Joachim, Die Postämter und Postagenturen in Deutsch-Ostafrika. Format 16,5 x 24,5 cm, satiniertes Papier, 496 Seiten, zahlreiche sw- und Farbabbildungen, Hardcover mit Fadenbindung. Hiddenhausen 2025. Preis: 39 € + Versand (D: 7 €, EU: 15 €). Erhältlich bei: Tilmann Nössig; Koppenstr. 16; D-10243 Berlin, E-Mail: Geschaeftsfuehrer@kolonialmarken.de