(Rainer von Scharpen, AIJP/pcp) Im Mai 2022 erschien der dreiteilige erste Band der 5. Auflage des Frech-Katalogs Privatpostkarten für das Gebiet der Deutschen Reichpost 1873–1945. Nur wenige Monate später liegt nun auch der zweiteilige zweite Band für die sonstigen deutschen Postgebiete vor 1945 vor. Dieser zweite Band steht dem ersten hinsichtlich der Gründlichkeit der Bearbeitung in nichts nach, und wieder haben wir es mit weit mehr als einer bloßen Neuauflage zu tun. Zahlreiche Karten wurden neu aufgenommen und unter Verwendung von römischen Zahlen und Kleinbuchstaben in das bisherige Hauptnummern-System integriert. Wie der Autor im Vorwort versichert, sind dabei nicht „absichtlich irgendwelche Privatpostkarten phantasievoll erfunden“ worden, sondern „alle notierten Belege haben tatsächlich im Original vorgelegen – auch wenn das im Einzelfall schon länger her sein mag“. – Aufgenommene amtliche Ganzsachen-Postkarten mit privatem Zudruck, die nach der allgemein gültigen Definition eben nicht als Privatpostkarten gelten, sind mit dem Zusatz (Z) kenntlich gemacht.

Die Auflösung der umfangreichen Sammlung des Münchener Regierungsbaumeisters Karl Rieger auf einer Auktion in Freiburg im Juni 2020 erlaubt es Frech und seinen beiden Mitstreitern, nun unzählige bayerische Privatpostkarten im Bild vorzustellen, die früher mit Worten beschrieben werden mussten. Das betrifft u.a. die Künstler-Kitschkarten PP 38 E 8–10, die Konrad Unglaub, Leiter der Münchener Geschäftsstelle des späteren Reichsverbands für Waisenfürsorge der Volkswohlfahrt, als enthusiastischer Ganzsachensammler in einer Auflage von 5–10 Stück seinerzeit in Auftrag gab. Auch zahlreiche Winterfestkarten des Alpenvereins Sektion Nürnberg können bildlich vorgestellt werden. Der Abschnitt Württemberg umfasst unglaubliche 814 Privatpostkarten – fast alle in Abbildung. Das ist allein schon ob der hohen Anzahl bemerkenswert. Hinzu kommt, dass sich „dieses eng begrenzte Sammelgebiet … unter einem Gespinst von Vermutungen und Wahrscheinlichkeitsannahmen [versteckt]“. In Abbildung gezeigt werden u.a. die seltenen sog. Dehne-Karten. Paul Dehne ließ sich zwischen Nov. 1901 und März 1902 je ein oder zwei Exemplare von Ortsansichten als 2-Pfennig-Ortspostkarten herstellen, die er im Umschlag zur Abstempelung an das entsprechende Postamt verschickte. Die im Katalog kursiv gedruckten Preise zwischen 300 und 450 € zeigen einen Mittelwert der erzielten Auktionsergebnisse an und deuten auf die „temporäre, d.h. veränderbare Sachlage hin“.

A propos Preise: hier lässt der Autor bei seinen Ansätzen große Umsicht walten. Die Angaben gelten allesamt für Stücke, die „in jeder Hinsicht frei von Mängeln, also im zweitbesten Erhaltungszustand ‚Kabinett‘ sind“. Dem wohlmeinenden Vorschlag, wirklich seltene Karten mit einem LP für Liebhaberpreis auszuzeichnen, hält er entgegen, dass derartige Angaben keine wirkliche Hilfe darstellen, sondern vergleichende Auktionsergebnisse eine weitaus sicherere und bessere Grundlage bieten. Die festgesetzten Bewertungen ergeben sich aus jahrzehntelanger Marktbeobachtung und liegen „ungefähr 10 % über dem Durchschnitt dessen …, was Einkäufer auf Auktionen derzeit freiwillig zu zahlen bereit sind, inklusive sämtlicher Nebenkosten.“ So erklärt sich auch, weshalb so manche reichlich angebotene und häufig unverkaufte bayerische Privatpostkarte der unteren und mittleren Preiskategorie eine Preiskorrektur nach unten erfahren hat.
Wegen ihres Ansichtskartencharakters bilden Privatpostkarten eine „ideale Brücke zwischen Philokartie und Philatelie“ und sollten deshalb in keinem regionalen oder postgeschichtlichen Exponat fehlen. Der nunmehr fünfbändige Gesamtkatalog in der vorliegenden, vollkommen überarbeiteten, ergänzten und aktualisierten 5. Auflage – und nach Autorenauskunft mutmaßlich abschließenden Fassung – informiert Aussteller wie Juroren umfassend, was es alles gibt und wie häufig oder selten bestimmte Stücke sind. Er stellt für den Thematik- und Heimatsammler eine schier unerschöpfliche Materialquelle dar, gelegentlich ergänzt durch sachdienliche Hintergrundinformation.

Die hochwertige Verarbeitung mit festem Einband und strapazierfähiger solider Fadenbindung wird auch bei häufigem Gebrauch nicht leiden, und die hochauflösenden Abbildungen sind selbst im kleinen Format scharf und deutlich. Der FRECH – auf Jahre hinaus das maßgebende Standardwerk für Privatpostkarten!

Kurzinfo: FRECH, Hanspeter, METTE, Peter, WERNER, Thomas, Privatpostkarten-Katalog, Band II. Erster Teil: Bayern vor Luitpold-Wertzeichen. Zweiter Teil: Bayern ab Luitpold-Wertzeichen, Württemberg, Kolonien, Besetzte Gebiete. Insgesamt 644 durchpaginierte Seiten A-5, Abb. farbig, Hardcover mit Fadenheftung. Hausach: Selbstverlag: 2022. Preis: 47 € + 49 €, als Bundle 88 €, jeweils + Versandkosten. Bezug beim Autor: Hanspeter Frech, Am Hinterhof 30, 77756 Hausach. – HPFrech@web.de