(wm-pcp) Wer sich als Aussteller schon einmal auf internationalem Parkett bewegt hat, dem wird der Name Brockenhuus von Löwenhielm (* 1938, † 2019) etwas sagen. Denn er war internationaler FIP-Juror in gleich vier verschiedenen Ausstellungsklassen. In seinem Heimatland Schweden war der Musiker hochgeschätzt. Nicht nur wegen seiner unermüdlichen Reise- und Vortragstätigkeit, sondern auch wegen seiner enormen Kompetenz und Kenntnisse. Nicht zuletzt aber auch wegen seines fröhlichen, offenen und herzlichen Charakters, so dass es für jeden eine Freude war, mit ihm zusammenzutreffen und sich mit ihm zu unterhalten.

Fünf Jahrzehnte widmete Brockenhuus seine philatelistischen Interessen der Philatelie altindischer Feudalstaaten, zu denen er gleich drei ungewöhnlich umfangreiche Sammlungen zusammentrug. Zu Jaipur und Indore. Diese Kollektionen sind in diesem schwergewichtigen 346-Seiten-Buch dokumentiert und sie wurden bei internationalen Ausstellungen ab 1984 bis zum Jahr 2014 in verschiedensten Ländern mit großem Erfolg gezeigt.

Die Jaipur-Sammlung – Jaipur ist heute die Hauptstadt des indischen Bundesstaates Rajasthan – umfasst allein 130 Blätter. Erst Ende des 17. Jahrhunderts hatte die Brahmanenkaste innerhalb der Stadt ein lokales Beförderungssystem eingerichtet, das zuerst nur für sie selbst gedacht war, dann aber – als es sich schon landesweit ausgeweitet hatte – Mitte des 19. Jahrhunderts auch von Jedermann zu nutzen war. Diese erste Sammlung ist eine traditionell angelegte Kollektion, die mit den Portostempeln aus der Zeit von 1862–1904 beginnt, also den Vorläufern der späteren ersten Briefmarken. Diese werden mit Belegen auf 15 Seiten dokumentiert. 1904 folgte die provisorische Ausgabe der ersten Briefmarken, die in Jaipur gedruckt wurden, da eine bestellte Lieferung aus London nicht rechtzeitig eintraf. Die Sammlung zeigt diese in Bogen und mit Kontrollnummern und anderen Spezialitäten. Es folgen die Ausgaben von 1904–1908 (Perkins, Bacon & Co.), danach die spezialisierten Studien zu späteren Ausgaben, wobei das besondere Augenmerk des Sammlers jeweils auf den diversen Drucken, Farben, Zähnungen und anderen Varianten lag. Letztlich reicht da Spektrum bis zu den Briefmarkenausgaben von 1950, eingeschlossen sind Dienstmarken (1929–1949) sowie diverse Marken und Stempel der Britischen Post in Indien.
Wer diese Ausgaben im MICHEL-Katalog einmal nachschlägt, wird leicht feststellen, dass die Marken an sich nicht sonderlich nennenswert hoch notieren. Insofern scheint Jaipur dem unkundigen Betrachter vielleicht ein leicht zugängliches Sammelgebiet zu sein. Wer allerdings wie Brockenhuus so vertieft in die Spezialisierung und Forschung einsteigt, der wird schnell die Hürden kennenlernen, die sich auch bei diesem Gebiet vor dem Interessenten aufbauen. Eben das macht den Reiz aus und eben dies war sicherlich auch der Grund, diese Kollektion mehrfach mit Gold bei Internationalen Ausstellungen auszuzeichnen.

Brockenhuus pflegte eine zweite Sammlung, die zu den Ganzsachen von Jaipur, die in diesem Buch auf 80 Seiten abgebildet ist. Ganzsachen wurden in Jaipur erst 1904 mit den ersten Briefmarken herausgegeben, zuvor erschien das System der Portostempel ausreichend genug. Bis 1950 und dem neuen Staat Indien erschienen zahlreiche Ausgaben in unterschiedlicher Gestaltung. Im Higgins & Gage-Weltganzsachen.-Katalog wurden rund 40 Nummern dafür vergeben, aber Brockhuus Sammlung weist mit Belegen nach, dass es weit mehr, nämlich über 100, gegeben hat. Auch dieser Buchteil ist damit Forschung pur.

Die dritte Kollektion ist „Indore – Holkar State“, die auf 122 Seiten in diesem Buch berücksichtigt ist. Indore, auch Fürstenstaat Holkar genannt, war ein kleiner Staat in Zentralindien und hatte um 1901 gerade einmal 850.000 Einwohner. Ein eigenes Postsystem wurde 1873 eingeführt, erste Briefmarken 1886, und beides gab es letztlich bis 1950 und dem neuen Staat Indien. Brockenhuus beginnt die Sammlung mit Stempeln aus der Vormarkenzeit, spezialisiert anschließend alle Ausgaben der Briefmarken und Ganzsachen in gewohnt tiefgehender und weitreichender Form, inkl. Platten- und Typenbestimmungen etc. pp.

Alles in allem ist dieses umfangreiche Werk eine Empfehlung für jeden, der sich mit der Philatelie dieser frühen indischen Feudalstaaten einmal näher beschäftigen will. Denn die Sammlung zeigt nahezu alles, was man eben nicht in einem Katalog finden kann, was aber die Faszination der ernsthaften philatelistischen Beschäftigung ausmacht. Es ist schon fast müßig zu betonen, dass auch dieser Band der Edition Spéciale-Buchreihe hervorragend technisch gemacht und produziert ist und höchsten Ansprüchen genügt.

Kurzdaten: Format 25,5 x 34 cm, 346 Seiten, zahlr. Farbabb., Hardcover mit Schutzumschlag, VP: 89 Euro (zzgl. Porto). Bezug: Heinrich Köhler Auktionshaus GmbH & Co. KG, Hasengartenstr. 25, 65189 Wiesbaden, Deutschland, Tel. +49 611 34 14 90, Fax +49 611 34 14 999, E-Mail: info@heinrich-koehler.de, www.heinrich-koehler.de