Delcampe/Mango Pay: Neue Zahlungsmethoden bei Delcampe

(pcp/wl/jk) Die Online-Plattform Delcampe hat in den letzten Tagen durch die Einführung eines neuen Bezahlsystems für erhebliche Aufregung in der Branche gesorgt. Delcampe ist kein Mitglied des APHV (mehr) und der APHV ist nicht in der Lage, die in Zusammenhang mit Delcampe auftretenden Fragen zu beantworten.

Am 28. Januar 2024 fasste der Betreiber des Briefmarkenforums stampsx.com, Jürgen Kraft, seine bisherigen Erfahrungen zusammen. Mit Erlaubnis von Herrn Kraft gibt der APHV diesen Beitrag wieder. – W. Lang

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Ich möchte hier noch einmal zusammenfassen, was aus den vielen Beiträgen hier und denen im Delcampe-Forum zu der neuen „Zahlungsabwicklung“ geschrieben wurde. Davor noch ein kleines Wort zum Sonntag:

Auf einer Internetplattform für Sammler kann ich mir ein Tauschsystem über ein virtuelles Konto gut vorstellen. Es gab auch in der Vergangenheit reale Versuche dazu. Ein Versuch ist mir noch gut in Erinnerung, vielleicht gibt es die Seite auch noch, da haben Verkäufer „Punkte“ ansammeln können durch Verkäufe über die Plattform und Käufer mussten dafür echtes Geld an den Plattformbetreiber überweisen. Das hat einerseits dazu geführt, dass meist wertloses Zeug angeboten wurde, andererseits hat der Plattformbetreiber praktisch alles verwertbare Material, das angeboten wurde, selbst „gekauft“. Das heißt, er hat dafür Punkte gutgeschrieben. Überweisen an sich selbst musste er ja nicht.

Das kam sicher nicht nur mir unseriös vor. Ich habe jedenfalls keine Möglichkeit für ein solches Modell im Rahmen geltenden Rechts und für alle seriös und sicher gefunden. Jetzt zu Delcampe und MangoPay.

Verkäufe automatisch aus einem Guthaben auf der Seite zu bezahlen, die Gebühren für die Seite automatisch zu bezahlen und Zahlungen nach allen Methoden und für alle Länder abwickeln zu können, scheint eine tolle Sache zu sein. Möglicherweise war so eine Idee die Geburtsstunde von „DelcampePay“. Wie wir wissen, bereits damals ebenfalls MangoPay.

Delcampe hatte damals wohl auch die rechtskonforme Idee, den Nutzern die Anmeldung dafür zu überlassen. Ob die Anmeldungen zu der Zeit alle rechtlichen Vorschriften erfüllten, weiß ich nicht, zumindest waren sie von den jeweiligen Nutzern selbst gewünscht. Ich weiß auch nicht, ob Delcampe dafür etwas bezahlen musste, Verpflichtungen einging oder ob sogar MangoPay etwas an Delcampe bezahlt hat.

Wovon ausgegangen werden kann, ist allerdings, dass nicht genügend Nutzer freiwillig an dem System teilgenommen haben. Ich habe selbst versucht, mich dort anzumelden, aber immer eine Meldung bekommen, dass es nicht möglich wäre. Wie wir jetzt erfahren, könnte es an MangoPay selbst scheitern, sich anmelden zu können. Angefragte Belege für unterschiedliche Belange sind angeblich nicht zutreffend, ausreichend oder was auch immer. Zudem erfahren wir auf Bewertungsseiten, dass es bei MangoPay keinen hilfreichen Kundendienst gibt. Aus den aktuellen Ereignissen erfahren wir, dass MangoPay an Delcampe und Delcampe an MangoPay verweist. Das reale Chaos scheint ausgebrochen.

Delcampe behauptet, das ganze Verfahren wäre erzwungenermaßen notwendig, weil neue Gesetze das so vorschreiben würden. Viele haben lange gesucht, aber niemand hat ein solches Gesetz gefunden.

Im nächsten Schritt scheint Delcampe Nutzerdaten an MangoPay übergeben zu haben. Zumindest für deutsche Nutzer wären dabei die gesetzlich notwendigen Zustimmungen zur Datenweitergabe für eine Kontoeinrichtung nicht rechtskonform eingeholt worden. Das scheint mir bereits extrem bedenklich.

Zudem lesen wir, in den erst nach der wohl illegalen Kontoeröffnung verfügbaren MangoPay-AGB, dass Auszahlungen von Geld durch MangoPay aus verschiedenen Gründen einfach verweigert werden können. Außerdem sollen Zahlungen aus MangoPayguthaben nicht auf Wunsch eines Käufers, sondern immer automatisch an den Verkäufer erfolgen. Welche Daten weitergegeben wurden, kann nicht festgestellt werden. Allerdings schreibt Delcampe, siehe Bild-Muster, mit veränderten Daten im angehängten Bild: „Die unten angegebenen Daten dienen ausschließlich dazu, Geld auf Ihr Guthaben zu laden. Ihre persönlichen Daten (Kontoinhaber) dienen dazu, Ihre Banküberweisung mit Ihrem Kontostand zu verknüpfen.“ Die Einblendung sieht aus wie von MangoPay, ist aber auf der Delcampeseite. Ist nun Delcampe die Bank? Wo liegen welche Daten? Es fehlt eben auch Transparenz.

Aus der Einblendung, die Daten sind nur ein Muster, kann entnommen werden, dass die IBAN-Kontonummer und die BIC von MangoPay kommen. Banken eröffnen in der Regel keine Konten, ohne Daten der Kontoinhaber zu kennen. Delcampe kann wohl sagen, man wäre keine Bank. Ob MangoPay eine Bank ist, oder die Konten mit den IBAN/BIC bei der Muttergesellschaft oder einer anderen Bank liegen, ist auch nicht transparent. An wen muss man sich wenden, wenn Probleme auftauchen? Auf jeden Fall wurden auch für Delcampe-Nutzer „Konten“ bei MangoPay eröffnet, ohne dass die Nutzer dieser Kontoeröffnung ausdrücklich zugestimmt hätten.

Eventuell glaubt man bei Delcampe, Maßnahmen von Ebay oder Amazon nachzumachen. Da gibt es aber dramatische Unterschiede. Nur das Ebay-Beispiel: Jeder Käufer zahlt an Ebay. Der Verkäufer bekommt auch tatsächlich eventuelle Gebühren von der Zahlung direkt abgezogen, aber Ebay zahlt davon keineswegs Käufe des Verkäufers. Danach muss man auch nicht um sein Geld betteln, sondern bekommt es automatisch zu selbst festgelegten Terminen auf ein richtiges Bankkonto überwiesen. Es gibt noch weitere dramatische Unterschiede. Bei Ebay lief alles rechtskonform ab, bei Ebay gibt es funktionierende Hilfeseiten und wer nicht weiterkommt, wird tatsächlich vom Ebay-Kundendienst auf Wunsch angerufen. Bei der Methode gibt es nicht einmal nervende Warteschleifen.

Auf einer Reihe von Internetseiten musste ich mich auch schon verifizieren. Dafür gibt es hervorragende, rechtskonforme Methoden. Dafür musste ich aber nicht Kopien von Dokumenten an mir unbekannte und obskur scheinende Firmen senden.

Für mich bleibt das Gefühl, Delcampe hatte einmal eine gute Idee, aber zu wenig Erfolg damit. Dann kam die schlechte Idee, den Erfolg zu erzwingen.

Ich hoffe für Delcampe, dass man dort die Lage noch selbst in der Hand hat.

Jürgen Kraft