BOSTON 2026 mit Licht und Schatten
(wm-pcp) Die Weltausstellung ist seit fast einem Monat vorbei, aber einen „offiziellen“ Nachbericht gibt es bisher nicht. Presse-Manager Tomas Fortunato, der vor der Veranstaltung mit meist wöchentlichen Berichten glänzte, lässt nun nichts mehr verlautbaren. Der Website der FIP-Ausstellung kann man die Hauptgewinner entnehmen, das Palmares und Fotos von den Veranstaltungstagen herunterladen.
Der Grand Prix National Award ging an Vernon R. Morris, Jr. für sein Exponat Transition of American Mail from British Colonial to USPO: 1685 to 1799, den Grand Prix International gewann David Hobden für Defence of the Border – Canadian Military Mails 1667-1885 und BDPh-Präsident Alfred Schmidt war mit Prussia: The First Three Issues 1850-59 einmal mehr für einen Grand Prix dabei, in diesem Fall den Grand Prix d’Honneur.
Diskussionen gab es im Nachherein um den Grand Prix National, für den nur ein Kandidat (und keine sog. „Follower“) benannt worden waren, obgleich wohl mehrere in Frage gekommen wären. Jurypräsident Peter McCann, USA, muss sich dabei wohl etwas gedacht haben.
Dem über 300 Seiten umfangreichen Ausstellungskatalog sind auch andere interessante Fakten zu entnehmen. So zum Beispiel eine Liste der Sponsoren und Förderer. Da nicht die konkrete Ziffer der Zuwendung genannt wird, sondern nur Betragsgruppen (z.B. 75.000–99.999 $) kann man nicht genau sagen, welche Mittel die Ausstellung von Firmen, einzelnen Philatelisten, aber auch von Vereine und Arbeitsgemeinschaften erhalten hat. Aber selbst wenn man die niedrigste Ziffer jeder Betragsgruppe ansetzt, beläuft sich der Gesamtbetrag bereits mindestens auf über eine Million US-Dollar!
Und wenn man gerade beim Geld ist: Die häufigste Kritik der ausländischen Besucher dieser Veranstaltung betrifft die exorbitanten Preise für Hotelzimmer, Essen, Trinken, Transport etc. Nicht in der Kritik nachzulesen war, dass bei den über 50 Juroren Deutschland nicht vertreten war. Während die Exponate jeweils mit Titel und einigen erläuternden Zeilen zum Inhalt im Katalog vorgestellt wurden, wurden die Literaturexponate gerade einmal mit meist zwei Zeilen (Name des Ausstellers und Titel des Exponates) abgefertigt! Exponate im „Polar-Salon“ genossen den Luxus, mit bis zu elf Zeilen beschrieben zu werden.
Die Behandlung der Literatur-Exponate war einmal mehr nicht entsprechend dem Reglement der FIP für Literatur! FIP-Consultant Reinaldo Macedo scheint dies nicht aufgefallen zu sein und Literatur-Aussteller fragen sich schon, was man noch tun kann, damit die FIP auf die Einhaltung ihres eigenen Reglements achtet! Ob Javaid Muhammad, der immerhin Jury-Sekretär dieser Ausstellung war und Präsident der FIP-Literatur-Kommission ist, dies überhaupt beachtet und zur Sprache gebracht hat, ist dem Berichterstatter nicht bekannt.
Was bleibt? Eine Ausstellung in schwierigen – auch politischen! – Zeiten, die nicht unbedingt in die Geschichte eingehen wird. Denn auch andere Erwartungen wurden nicht immer erfüllt. Siegel Auctions Galleries gelang es nicht, den berühmten Buccleuch-Block (48er-Block der 2p blau von 1840) an den Mann zu bringen, weil dieser nicht den geforderten Mindestpreis, sondern nur 4,4 Mio $ erreichte. Auch einige Pretiosen – als Privatverkauf über Heinrich Köhler offeriert – (darunter auch der berühmte „Alexandria ‚Blue Boy‘“) blieben liegen. Nicht alle Bäume wachsen in den Himmel, – selbst in Boston nicht!
