(ho/pcp-wm) Mittelschwere Panik hatte sich in den letzten Wochen bei den Auktionatoren breit gemacht, mussten sie doch angesichts Corona und der damit verbundenen Beschränkungen ihre Auktionstermine verlegen oder (unsichere) neue Wege beschreiten. „Online-live“ lautete nun das Zauberwort, also das Live-Mitbieten am heimischen PC vom Sofa aus. Würde diese Art der persönlichen Auktionsteilnahme auch Zuspruch bei den doch überwiegend älteren Sammlern finden, denen man doch immer gerne unterstellt, sie lebten „computer-technisch“ hinter dem Mond?
Groß war die Überraschung, dass sich diese Befürchtung nicht bestätigte – im Gegenteil! Übereinstimmend haben alle Kollegen, die ihre Auktionen in den letzten Wochen online-live durchgeführt haben, von hervorragenden Ergebnissen berichtet.

Nicht anders bei AIX-PHILA. Dort hatte zunächst noch die Hoffnung bestanden, aufgrund des späten Auktionstermins (12. und 13. Juni) eine Saalauktion in der großen Aula der gegenüberliegenden Schule durchführen zu können. Corona und die Behörden waren dagegen, also gab es eine Online-live-Auktion mit Hilfe von Philasearch, einer Firma, die bereits reichlich Erfahrung mit diesem Format hat!

Diese Entscheidung und der Entschluss, die Auktion um einen Tag zu verlängern erwiesen sich dann als Volltreffer: 62.000 Euro betrug der Gesamtausruf der Baden-Sammlung eines westdeutschen Fabrikanten, der besonderen Wert auf die Qualität seiner Marken gelegt hatte. 161 Bieter waren gleichzeitig live dabei und verhalfen dieser außergewöhnlichen Kollektion nach über 7 1/2 Stunden zu einem Gesamtzuschlag von mehr als 170.000 Euro. Von den 667 in einem Sonderkatalog präsentierten Losen blieb kein einziges (!) unverkauft, und es waren nicht allein die großen „Kracher“ wie die 12 Kreuzer Landpost, welche 20.000 Euro erzielte, sondern die vielen – meist mit gestochen klaren Stempeln versehenen – Marken und Briefe, welche Resultate oft weit über dem Katalogwert erreichten. BADEN: Ob 1.000 Euro für eine Nr. 1a, 620 Euro für ein Paar der Nr. 1b, 290 Euro für ein Randstück der Nr. 2, 840 Euro für einen Brief mit der Nr. 10a oder 1.300 Euro für einen weiterer Beleg mit einem Paar der veilchenblauen 3 Kr, die Aufzählung würde Seiten füllen. Bezeichnend, dass das Titelstück, eine 18 Kreuzer, bei einem Katalogwert von 700 Euro mit 720 Euro zugeschlagen wurde. Veranstalter, Einlieferer und Bieter (letztere naturgemäß zähneknirschend) waren jedenfalls begeistert!

Außergewöhnliche Ergebnisse gab es auch beim Sudetenland: Der überdruckte Masaryk-Block von Karlsbad landete bei 4.500 Euro (Ausruf 2.000 Euro), die Freimarke zu 2,50 Kronen aus Konstantinsbad kletterte von 800 auf 2.900 Euro und die Ausgabe „Kinderhilfe“ aus Reichenberg von 2.500 auf 3.800 Euro. Hier noch eine kleine Aufstellung weiterer bemerkenswerter Resultate: Los 1648 Danzig kleiner Innendienst Viererblocksatz Ausruf 1.500 Euro Zuschlag 3.600 Euro, Los 2031 Generalgouvernement GA_Karte P5/08 gebraucht Ausruf 200 Euro Zuschlag 1.100 Euro, Los 2338 Berlin Rotaufdruck Viererblocksatz Ausruf 1.500 Euro Zuschlag 3.500 Euro, Bundesrepublik Markenheftchen 10v Ausruf 1.000 Euro Zuschlag 2.600 Euro, Polen Nr. 1 auf Brief aus Warschau Ausruf 400 Euro Zuschlag 2.800 Euro.

Sammlungen und Posten waren ebenso heiß begehrt: Eine Partie alter Ansichtskarten aus Oberschlesien schoss von 1.000 auf 9.800 Euro, eine Sammlung Altdeutschland von 3000 auf 10.500 Euro, eine Kollektion WK II von 2.000 auf 7.000 Euro und eine Händlerpartie Frankreich von 1.500 auf 8.600 Euro! Nicht weniger begehrt waren Objekte im zwei- und dreistelligen Bereich, die ebenfalls große Steigerungen erlebten.

Bei 641 angemeldeten Live-Bietern, bei einer Gesamt-Verkaufsquote von mehr als 90 %, und einer Zuschlagssumme von insgesamt 200 % des Ausrufes also wirklich kein Grund zur Panik!