(wm) Mit Spannung hatten Sammler und Händler aus aller Welt den Auftakt der Erivan-Auktionen Altdeutschland erwartet. Der Katalog lag seit Wochen vor und verhieß Pretiosen, die man in dieser Dichte und Schönheit seit langem nicht mehr sehen durfte. Am 8. Juni 2019 fanden sich hunderte Philatelisten in Wiesbaden oder per Livestream im Internet ein, um gebannt der Versteigerung des ersten Teils der Erivan Haub-Sammlung „Altdeutschland“ zu folgen. Mit dabei Rundfunk-, Fernsehsender und zahlreiche Journalisten der Tagespresse, die am gleichen Abend noch Sensationelles zu berichten hatten.

Denn der legendäre Brief mit dem Baden-Fehldruck (einer von zwei bekannten und der einzige in privater Hand) wechselte bei einem Ausruf von 800.000 Euro für sagenhafte 1.260.000 Euro den Besitzer, lag also noch einmal knapp zehn Prozent über den Preis, den Erivan Haub 1985 für diesen einmaligen Brief bezahlt hatte (damals: 2,3 Millionen DM). Das Prunkstück dürfte also auch weiterhin die Top-10-Liste der teuersten deutschen Briefmarken-Raritäten anführen.

Sehen lassen konnte sich auch Los 25, mit dem ein 15er-Block der Bayern-Einser mit kopfstehender Marke für 200.000 Euro ausgerufen und für stolze 500.000 Euro zugeschlagen wurde. Vergleichbares galt für einen 12er-Block der ½ Gr. Oldenburg (Los 158), der es von 150.000 auf 320.000 Euro brachte. Sechsstellig war auch der Zuschlag von Los 32, u.a. mit einer 1 Kr. rosa mit waagerechtem Zwischensteg auf Brief, der bei 30.000 Euro Ausruf glatte 100.000 Euro erzielte. Der einmalige Sachsen-Dreier-Viererstreifen ging bei 80.000 Euro Ausruf für 90.000 Euro Zuschlag an einen neuen Besitzer. Natürlich jeweils mit zusätzlichem Aufgeld von 21%.

Durch die Bank wurde – selbst für die ‚kleineren‘ drei- und vierstellig ausgerufenen Lose ein Mehrfaches, häufig ein Vielfaches geboten. Letztere erreichten häufig fünfstellige Größenordnungen, die selbst Kenner nicht erwartet hätten. Von den 320 Losen (drei waren vor Beginn der Auktion zurückgezogen worden), wurden 309 verkauft, was einer Traumquote von 96,5 Prozent verkaufter Lose entspricht. Mehrfach unterbrach bei besonders überraschenden Resultaten der Beifall anwesender Bieter und Schaulustigen Auktionator Dieter Michelson, der selbst wohl über das Endresultat mehr als erfreut gewesen sein dürfte. Bereits am Abend berichtete das ZDF in seinen 19 Uhr-Nachrichten über diesen gigantischen Auftakt, natürlich besonders über den Zuschlag des Baden-Fehldruck-Briefes.

Internetbieter hatten dieses Mal häufig das Nachsehen, dafür war die geballte Bieter- und Kommissionärsschar im Auktionsraum, aber auch die Zahl der Telefonbieter zu groß. Persönlich diese Auftaktversteigerung mitzuerleben, war eben ein Erlebnis, das keiner missen wollte. Wer nicht dabei war, mag sich trösten, dass noch zahlreiche weitere Erivan-Auktionen – auch zu Altdeutschland – in den kommenden Jahren folgen.